»Leontine!« jauchzte er auf und erfaßte ihre Hand und hielt sie mit festem Druck umspannt. »Du mein, ich Dein in alle Ewigkeit!«
Ihr versagte die Stimme; sie nickte ihm zu mit schwimmenden Augen und mit einem Lächeln, das ihm das Herz erglühen und erzittern machte.
Er nahm die Zügel in die rechte Hand und wollte mit dem freien Arm die Geliebte umfangen. Dabei stießen die beiden Pferde mit den Köpfen zusammen, Leontinens Pferd scheute, that einen Seitensprung und bäumte sich. Aber die Reiterin saß fest im Sattel und bändigte ihr lebhaft tänzelndes Roß mit vollkommener Sicherheit. »Daphne,« sprach sie, ihm den glatten Hals klopfend, »willst Du Dich störrisch auflehnen gegen Deiner Herrin höchstes Glück? sei ruhig, Daphne! er liebt mich ja.«
Als sie des Thieres völlig Meister geworden war, ritt Egenolf wieder an sie heran, und die Pferde standen nun dicht bei einander still. Da bogen die Zwei sich von Sattel zu Sattel hinüber, und Egenolf umfing Leontinen und küßte sie auf den Mund, den sie ihm willig darbot.
Dann ritten sie, Blick in Blick und Hand in Hand, eine Weile schweigend weiter. Der Wind rauschte mächtig in den Bäumen und Sträuchern, daß die Zweige an einander schlugen, und spielte mit Leontinens Haar, daß es ihr gekräuselt um Nacken und Schläfen flatterte. Sonst war es still und einsam um die Beiden hier, die sich in selig träumenden Gedanken wiegten. Aber wenn auch ihr Glück so groß war, daß es keine Worte fand, ihre Sorgen drängten zur Aussprache.
»Was thun wir nun, Leontine?« hub Egenolf endlich an.
»Das sage Du mir, Egenolf!« erwiederte sie.
»Wenn ich jetzt zu Deinem Vater ginge,« sprach er, »und ihn um die Hand seiner Tochter bäte, würde er sie mir verweigern, mich streng abweisen oder mich auslachen.«
»Sicherlich!«