»Von mir selber soll er's auch erfahren,« stimmte ihr Egenolf zu, »und so bald wie irgend möglich, um dem Dazwischentreten Burkhards vorzubeugen, der Alles daran setzen wird, unsere Verbindung zu hintertreiben. Aber nicht früher möcht' ich es meinem Vater mittheilen, als bis die Sache entschieden und nichts mehr daran zu ändern ist; er würde mir sonst streng verbieten, um Leontinen zu werben. Ein paar Tage warte ich noch, bis ich hoffen kann oder höre, daß sie wieder ganz gesund ist. Dann aber reite ich zur Hohkönigsburg hinauf, und kein Mensch auf der ganzen weiten Welt soll mich daran hindern. Ich will vor meinen Vater hintreten und ihm sagen können: Leontine ist meine Braut. Was dann weiter wird, ist mir Alles gleich.«
»Aber Egenolf!«
»Ist mir Alles gleich!« schrie er noch einmal. »Von einander lassen thun wir doch nicht, nun und nimmer nicht und in alle Ewigkeit nicht, mag kommen, was will!«
»Gott im Himmel, mit so einem verliebten Menschen ist nichts, rein gar nichts anzufangen,« seufzte Imagina verzweifelt. »Mach, daß Du fortkommst und suche Dir Deinen Verstand wieder, den Du zwischen Ulrichsburg und Hohkönigsburg verloren hast, und wenn Du ihn wiedergefunden hast, komm zu mir und zeig' ihn mir.«
»Das will ich thun; Dank für den Rath! komm, laß Dich küssen dafür!«
»Du bist wahrhaftig verrückt,« lachte sie hell auf, »fort, fort, hinaus mit Dir!« Lachend wehrte sie den Ungestümen ab und schob ihn an den Schultern zur Thür hinaus.
XVIII.
Gegen Abend des zweiten auf das Gespräch Egenolfs mit Imagina folgenden Tages saß Graf Maximin in seinem Gemach und hielt in der auf seinem rechten Knie ruhenden Hand ein Schreiben, das er soeben gelesen hatte und über dessen Inhalt er nun sann und grübelte. Sein Blick war darauf gerichtet, aber er sah nichts, er starrte mit weit offenen Augen ins Leere, ganz und gar in Gedanken verloren. Dann schüttelte er den Kopf, als wollte ihm irgend etwas nicht hinein von dem, was in dem Briefe stand.