Maximin von Rappoltstein!

Du hast mir auf der Ulrichsburg gelobt, mir in der Fehde gegen Thierstein mit trefflich großem Zeug zu Roß und zu Fuß beizustehen, und ich habe mich auf Dein Wort verlassen. Nun läuft aber ein heimlich Gemurmel, Du wollest Dich mit ihm gegen mich verbünden, und dabei ist mir die neue Mär zu Ohren gekommen von einer vorhabenden Heirathsabrede zwischen Deinem Sohn und seiner Tochter.

Bei dieser Stelle erhob Schmasman ein wenig das Haupt und streifte seinen Sohn mit einem schnellen, forschenden Blicke. Egenolf biß die Zähne zusammen und hielt die Lehne seines Stuhles umklammert. Da war es nun doch, was er gefürchtet; der Pfeil war abgeschossen. Schmasman las weiter.

Ich habe Grund und Ursach, der Meldung Glauben zu schenken und frage Dich: soll, was Du mir gelobt hast, nun mit einem Male kraftlos und unbündig sein? Solcher Untreu hab ich mich nicht von Dir versehen, daß Du jetzt den Kopf aus der Halfter ziehen und mir in die Schanz fallen willst. Das nenne ich auf zwei Sätteln reiten. Nächstens werde ich dem Thierstein mit namhaft ritterlichen Gutgesellen absagen und muß nun wissen, was ich mir etwan Gefährliches von Dir zu besorgen habe. Darum fordere ich jetzt von Dir, daß Du Farbe zeigst. Du sollst mir zu mehrerer Sicherheit und Bekräftigung eine Bürgschaft, d. h. Wahrzeichen und Geschrift geben, daß Du mir Wort halten willst. Wenn Du aber von mir abfällst und Dich auf des Thiersteiners Seite stellst, so sage ich Dir auch ab und komme mit Hengst und Harnisch über Dich.

Burkhard von Rathsamhausen.

Egenolf saß noch immer regungslos und erwartete mit herzklopfender Spannung die Frage seines Vaters, die unfehlbar jetzt kommen mußte.

Und sie kam auch. Schmasman hub an: »Du hast gehört, daß in dem Schreiben einer Heirathsabrede zwischen Dir und der Thierstein'schen Tochter Erwähnung geschieht. Was soll ich davon denken, Egenolf? ich weiß nichts davon.«

»Aber ich, lieber Vater!« klang es nun fest und sicher von Egenolfs Lippen. »Herr Burkhard ist gut bedient, und ich muß Euch ein Geständniß ablegen, das Euch einigermaßen erstaunen wird. Gräfin Leontine von Thierstein und ich haben uns Lieb und Treu gelobt, wollen die Ringlein tauschen und als ehelich Mann und Weib bis an unseres Lebens Ende nicht von einander lassen.«

»Du hast Dich mit der Gräfin Leontine betraut? Egenolf, – was hast Du gethan!« fuhr Schmasman auf. »Wir rüsten zum Kampfe gegen den Grafen Oswald, und Du gehst einen Liebesbund mit seiner Tochter ein? Das ist mir ganz unfaßbar, ist geradezu eine Tollheit, der ich Dich wahrlich nicht fähig gehalten hätte.« Er sprang auf und schritt eine Weile rasch und erregt im Zimmer auf und nieder. »Was soll daraus werden?« rief er dann, mit über der Brust verschränkten Armen vor Egenolf stehen bleibend. »Wo nimmst Du nur die leiseste Hoffnung her, daß dieser unbedachte Schritt zu einem guten Ende führen könnte?«