»Wie Du ihm die Sache darstellst, willst Du sagen. Egenolf, wäge Deine Worte, wenn Du vor ihm stehst! Du darfst ihm nicht das kleinste Zugeständniß in meinem Namen machen; ich will freie Hand behalten nach jeder Richtung hin. Du handelst auf Deine eigene Verantwortung und Gefahr, und bedenke wohl,« fügte Schmasman warnend hinzu, »wenn Dich Graf Oswald schroff abweist, so ist zwischen ihm und mir kein Friede möglich.«
»Und wenn er mich nicht abweist, so ist der Friede zwischen euch geschlossen?« fuhr es Egenolf freudig heraus.
»Das hängt mehr von ihm ab als von mir,« erwiederte Schmasman ernst. »Aber nun erkläre mir: woher weiß Burkhard von eurem Verlöbniß?«
»Ich bitte Euch, Vater, mir die Antwort auf diese Frage zu erlassen,« sprach Egenolf.
»Ah so! – nun, – dann will ich sie nicht von Dir verlangen,« sagte Schmasman, der wohl etwas von dem errathen mochte, weßhalb Egenolf diese Auskunft verweigerte. »Aber eine andere Frage: warum hast Du es mir verschwiegen? Ich hätte es doch, wenn es einmal geschehen war, sofort erfahren müssen, um mich danach richten zu können.«
»Ich bin mir wohl bewußt, lieber Vater, daß es meine Schuldigkeit gewesen wäre, Euch in mein Geheimniß einzuweihen,« erwiederte Egenolf, »aber glaubt mir! nicht aus Zaghaftigkeit hab ich es unterlassen. Ich schwieg aus Rücksicht auf Euch.«
»Aus Rücksicht auf mich? wieso?«
»Das, was Ihr als die Folge eines von mir abgelegten Geständnisses eben andeutetet, gerade das wollte ich vermeiden. Ich wollte nicht den leisesten Druck auf Eure Entschlüsse ausüben, wollte nicht, daß Ihr mir zu Gefallen bewogen werden könntet, etwas Anderes zu thun, als was Ihr einmal für recht und nothwendig erkannt hattet. Und wenn es zum Schlagen kommt, solltet Ihr nicht wissen und ahnen, daß Ihr den Vater Derjenigen bekämpft, in deren einstigem Besitz ich mein höchstes Glück auf Erden sehe.«
Von dieser unerwarteten Eröffnung sehr wohlthuend berührt, stand Schmasman auf, und seinen sich gleichfalls erhebenden Sohn freundlich anblickend sprach er: »Das ist ehrenhaft und nobel gedacht, Egenolf, und entwaffnet jeden Vorwurf, den ich Dir über Deine Heimlichkeit machen könnte. Deine Zurückhaltung, die Hintansetzung Deiner eigenen brennenden Wünsche verdient Anerkennung und Lob. Sie wird Dir nicht leicht geworden sein.«