»Nein, sie ist mir ziemlich schwer geworden,« gestand Egenolf freimüthig. »In der ersten Freude meines Herzens gab ich mich der Hoffnung hin, daß Ihr und Graf Oswald, wenn ihr die Liebe eurer Kinder erführet, vielleicht geneigt sein würdet, einander die Hand zu einem Ausgleich zu bieten. Bei reiflicher Überlegung aber sah ich selber ein, daß ich Euch mit einer verfrühten Mittheilung dessen, was ich eigenmächtig hinter Eurem Rücken gethan, in eine mißliche Lage bringen würde.«
»Verfrüht nennst Du das?« sagte Schmasman. »Bis wann hattest Du Dir denn vorgenommen, mir Dein Verlöbniß zu verschweigen? bis nach dem Ausgang der Fehde?«
»Das war allerdings meine Absicht. Später aber, erst kürzlich, entschloß ich mich, nicht einmal den Anfang der Fehde abzuwarten, sondern schon vorher beim Grafen Oswald um die Hand seiner Tochter zu werben und, wenn er sie mir bewilligte, vor Euer Angesicht zu treten und zu sprechen: Leontine ist meine Braut; gebt uns Euren Segen, Vater!«
»Das wäre viel gewagt gewesen, Egenolf.«
»Für meine Liebe wage ich noch mehr, wage ich Alles, Vater!« rief Egenolf. »Nun ist mir Herr Burkhard zuvorgekommen und hat Euch gemeldet, was ihm verrathen worden. Mir ist es lieb und recht so, denn nun kann ich doch mit Eurem Wissen und Eurer Genehmigung zur Werbung auf die Hohkönigsburg reiten.«
»Du sattelst geschwind, mein Sohn! noch habe ich meine Genehmigung nicht ausgesprochen.«
»Aber Ihr werdet sie mir nicht versagen, nicht wahr?«
»Nun denn, – nein!« beruhigte Schmasman den Hoffnungsvollen. »Deine besonnene und feinfühlige Rücksichtnahme, die Du bei der Sache bewiesen hast, will ich damit erwiedern, daß ich Dir gestatte, Dein Heil bei dem Grafen Oswald zu versuchen. Aber noch einmal sage ich Dir: Alles, was Du thust, das thust Du nur auf Deine eigene Gefahr.«
»Vertraut mir, Vater! ich werde keinen Augenblick vergessen, daß ich der Sohn des Grafen Maximin von Rappoltstein bin,« sprach Egenolf hoch aufgereckt mit freudigem Stolze. »Eines nur bekümmert mich, – daß Ihr durch meinen Herzensbund mit Leontinen in Zwietracht und Streit mit Eurem alten Freunde Burkhard gerathen werdet.«