Wäre der gewaltige Bergfried Hohrappoltsteins von da drüben durch die Luft herangeschwebt gekommen, so hätte Graf Oswald nicht in größere Verwunderung darüber gerathen können als über die aus Egenolfs Munde vernommenen Worte. Er konnte es gar nicht fassen; verwirrt und stockend sprach er: »Verzeiht, Herr Graf, – ich weiß nicht, – ich glaube verstanden zu haben, daß Ihr mich um die Hand meiner Tochter bittet.«

»Ganz recht, Herr Graf! so lautete meine Bitte.«

»Ja, aber – ich begreife nicht, – Ihr sagtet, Ihr kämet mit Wissen und Genehmigung Eures Vaters.«

»So ist es, Herr Graf,« sprach Egenolf. »Ich sagte Euch aber auch, daß Ihr etwas ganz Unerwartetes von mir hören würdet.«

»Ja ja, aber das Gehörte übersteigt doch beinahe die Grenzen der Glaubhaftigkeit und Möglichkeit. Es wird Euch doch bekannt sein, daß in Folge meines Streites mit Herrn Burkhard von Rathsamhausen auch zwischen Eurem Vater und mir mit gezücktem Schwerte der böse Geist der Fehde steht.«

»Ich weiß es wohl, aber welcher böse Geist wäre nicht zu bannen!«

»Wie meint Ihr das?« frug Oswald aufhorchend.

»Herr Graf,« erwiederte Egenolf, »ich habe keine Vollmacht, Euch etwas Anderes mitzutheilen als meine eigene Bitte um die Hand Eurer Tochter.«

»Graf Egenolf,« sprach Oswald nach einem kurzen Schweigen, »gebt mir auf eine offene Frage eine offene Antwort! Haltet Ihr eine friedliche Einigung zwischen Eurem Vater und mir für möglich?«

»Ja!«