»Würde sich Euer Vater zu einer Unterredung mit mir verstehen?«

»Wenn Ihr ihn darum ersuchtet, so zweifle ich nicht daran, aber – versprechen kann ich nichts.«

»So! versprechen könnt Ihr nichts. – Weiß meine Tochter von Eurer Liebe zu ihr?«

»Ja, Herr Graf! wir haben den Bund der Herzen geschlossen und uns Lieb und Treu gelobt für Zeit und Ewigkeit,« erwiederte Egenolf mit festem Ton und freiem Blick.

»Hm! auf den Gedanken wäre ich nie gekommen.« Graf Oswald sann nach, und sein scharfer Verstand rechnete schnell: Egenolf weiß mehr, als er sagen will. Er hält eine Einigung für möglich, das heißt soviel wie Schmasman wünscht sie. Damit ist die Brücke geschlagen, aber zu einem Rückzuge werde ich sie nicht beschreiten.

Er erhob sich und sprach: »Herr Graf, bei Vergebung der Hand einer Tochter hat die Mutter ein Wort mitzureden. Verzeiht eine kleine Weile, ich möchte mit der Gräfin sprechen.« Darauf ging er hinaus und ließ Egenolf allein.

Auch Egenolf hatte sich erhoben und des Grafen leichte Verbeugung erwiedert. Ihm war getrost und froh zu Muthe, denn es war ihm nicht entgangen, wie beifällig Oswald die zugegebene Möglichkeit einer Einigung mit seinem Vater aufgenommen hatte.

Er trat an eines der Fenster und schaute über das Ried hinaus in die Ferne, nach dem Kaiserstuhlgebirge und den massigen Höhen des Schwarzwaldes. Bei der völlig klaren Herbstluft waren heute sogar die Alpen sichtbar, die sich mit ihren schneeigen Häuptern wie eine lange, silberhelle Wand am Horizont von Osten nach Westen dehnten und ihre ragenden Schroffen und Spitzen deutlich erkennen ließen. Diesen heiteren, sich nur selten in solcher Schönheit darbietenden Anblick nahm sich Egenolf zum guten Zeichen. –

Graf Oswald, der Mühe gehabt hatte, seine Freude über die ihn im höchsten Grade überraschende Werbung Egenolfs und die sich für ihn selbst daran knüpfenden Hoffnungen vor seinem Gaste zu verhehlen, bedurfte einer Spanne Zeit zur Sammlung und Überlegung, und es drängte ihn, seiner Gemahlin von dem erstaunlichen Ereigniß Mittheilung zu machen.

In großer Erregung trat er bei ihr ein mit den hervorgesprudelten Worten: »Margarethe, denke Dir, wer oben bei mir ist! – Graf Egenolf von Rappoltstein. Und was will er? – er wirbt um die Hand Leontinens.«