»Weißt Du was?« sagte der Graf, »komm mit mir hinauf zu ihm und höre selber, wie er meine Entscheidung aufnimmt.«

»Ja, das will ich thun,« sprach Margarethe, und sie gingen beide. –

Egenolf war in wachsender Ungeduld das Zimmer oben auf- und abgeschritten und stand wieder am Fenster, mehr in seine hoffnungsvollen Gedanken als in den Anblick des großartigen Landschaftsbildes vertieft, als die Thüre klang. Schnell wandte er sich um, und ein heller Schimmer glitt über sein Antlitz, als er in Begleitung des eintretenden Grafen dessen Gemahlin erblickte, die er, ihr die Hand küssend, mit ritterlicher Höflichkeit begrüßte.

Graf Oswald begann sofort mit verbindlichem, aber ernstem Tone: »Wir kommen, Herr Graf, um Euch auf Euren ehrenwerthen Antrag den Bescheid zu bringen, daß Ihr uns als Eidam herzlich willkommen wäret und wir Euch mit Freuden unsere Tochter als Ehgemahl anvertrauen würden, wenn die Verhältnisse anders lägen, als es leider der Fall ist. Daher kann ich Eure Werbung nur annehmen, wenn ich die sichere Bürgschaft erhalte, daß ich in dem mir bevorstehenden Kampfe mit Herrn Burkhard von Rathsamhausen und seinen Freunden Euren Vater als Bundsgenossen an meiner Seite haben werde. Könnt Ihr mir diese Bürgschaft auf Manneswort geben?«

»Nein, Herr Graf, das kann ich nicht,« erwiederte Egenolf betroffen.

»Dann bedaure ich aufrichtig, Euren Antrag ablehnen zu müssen,« sprach Oswald. »Ihr werdet selber einsehen, daß ich nicht anders kann,« fuhr er fort, als Egenolf schwieg. »Ich kann die Hand meiner Tochter nicht dem Sohne meines Feindes geben.«

Da raffte sich Egenolf aus seiner tiefen Bestürzung zu der Entgegnung auf: »Mein Vater ist in einigen Punkten Euer Gegner, aber nicht unter allen Umständen Euer Feind, Herr Graf. Ich sagte Euch bereits auf Eure Frage, daß ich eine Einigung zwischen Euch und ihm für möglich hielte.«

»Die bloße Möglichkeit genügt mir nicht, ich muß Gewißheit darüber haben, wenn ich Euren Herzenswunsch erfüllen soll,« erklärte Graf Oswald.

»Ihr weist mich also mit meiner Werbung ab?« sprach Egenolf erregt. »Auch Ihr, Frau Gräfin?« wandte er sich zu dieser.

Margarethe zuckte mit den Achseln und erwiederte: »Ich kann meinem Gemahl nicht Unrecht geben, Herr Graf, so sehr ich auch meinerseits bedaure, Euch unter den obwaltenden Verhältnissen nicht zu Eurem Glücke verhelfen zu können.«