Egenolf starrte finster vor sich hin und schwieg.
»Habt Ihr mir einen Auftrag an meinen Vater mitzugeben, Herr Graf?« frug er dann, noch in der Hoffnung auf einiges Entgegenkommen seitens des Grafen von Thierstein.
Aber Oswald antwortete: »Einen Auftrag? ich wüßte nicht, welchen, Herr Graf. Ich habe dem, was ich Euch kund that, nichts hinzuzufügen.«
Das ist der Abschied, sagte sich Egenolf, es fehlt bloß noch: da ist die Thür! Herb und trocken sprach er: »So habe ich hier nichts mehr zu suchen.«
Da zog Oswald unwillkürlich die Brauen hoch wie Jemand, der erstaunt oder erschrickt, und Margarethe machte eine Bewegung, als wollte sie vortreten und sich einmischen.
Doch Egenolf fuhr fort, erst ruhig, dann allmählich lauter und erregter werdend: »Ich gehe mit schwerem Herzen, Herr Graf, und nehme nichts mit als eine schmerzliche Enttäuschung. Damit Ihr aber wißt, wie Ihr mit mir daran seid, erkläre ich Euch hiermit: ob Fehde oder Friede wird, von Leontinen lasse ich nicht, so lange ich das Leben habe, und werde Euch immer wieder und wieder um sie bitten, bis Ihr sie mir gebt, und thut Ihr das nicht, so komme ich und hole sie mir.«
Ehe Graf Oswald auf diese in einem trotzigen, fast drohenden Tone gesprochenen Worte etwas erwiedern konnte, flog die Thür auf, und hastig, mit heißrothen Wangen trat Leontine herein.
»Ihr habt mich nicht gerufen, aber ich weiß, was hier vorgeht,« stieß sie, fast athemlos vom schnellen Treppensteigen, hervor. »Eine Lauscherin an der Thür hat es mir hinterbracht, und wenn über mein Schicksal beschlossen wird, will ich dabei sein.« Mit geschwinden Schritten war sie an Egenolfs Seite, ergriff seine Hand und fuhr erhobenen Hauptes und mit erhobener Stimme fort: »Vater und Mutter, hier stehe ich neben dem, bei dem ich immer und allwege stehen werde und der mein Herr und Gemahl wird oder sonst Keiner. Ihr könnt mich von seiner Seite reißen, könnt mich auf der Hohkönigsburg einsperren, daß ich ihn niemals wiedersehe, aber meine Liebe könnt ihr mir nicht nehmen; die habe ich ihm geschworen, die gehört ihm und bleibt ihm bis zu meinem letzten Athemzuge.« Erregt und erschöpft lehnte sie sich hingebend an Egenolf und schmiegte das Haupt an seine Schulter, der sie mit dem Arm umfing, während ihm das Herz in Freuden klopfte.
Graf und Gräfin waren bei diesem leidenschaftlichen Austritt sprachlos. Margarethe blickte mit innigem Stolz auf ihre muthige Tochter.
»Leontine,« begann Oswald, nachdem er sich gefaßt hatte, »Du weißt nicht, was die Familien Rappoltstein und Thierstein von einander trennt und scheidet.«