»O ich weiß es wohl, Vater!« fuhr sie auf, »diese unglückselige Fehde, die vermieden werden könnte, wenn auf beiden Seiten der gute Wille dazu vorhanden wäre. Egenolf, ich frage Dich: glaubst Du nicht, daß Dein Vater den guten Willen dazu hat?«
»Ich bin fest davon überzeugt, Leontine,« erwiederte Egenolf.
»Und Ihr, Vater? habt Ihr ihn nicht? auch nicht mir zu Liebe?« kam es von Leontinens bebenden Lippen.
»So rasch glaube ich an Eures Vaters guten Willen nicht,« sprach Oswald, als hätte er die an ihn gerichtete Frage Leontinens nicht gehört. »Er weiß, daß Ihr hier seid und warum Ihr hier seid, aber keinen Gruß, keinen Wink, nicht ein Wort hat er Euch mitgegeben, aus dem ich auf seinen guten Willen zur Einigung mit mir schließen könnte.«
»Und dennoch ist es mir außer allem Zweifel, daß er den aufrichtigen Wunsch hat, mit Euch Frieden zu halten,« fiel Egenolf ein.
»So mag er es mich wissen lassen! Ich bin es, der hier um etwas gebeten, von dem etwas verlangt wird, und zwar nicht mehr und nicht weniger als die Hergabe meiner einzigen Tochter. Warum soll nun ich den ersten Schritt thun und Eurem Vater die Hand entgegenstrecken ohne zu wissen, ob sie von ihm angenommen wird?«
»Vater,« rief Leontine, »schickt mich zum Grafen Maximin! ich bringe Euch den Frieden zurück, oder Ihr seht mich nicht wieder!«
Da konnte sich Margarethe nicht länger halten. Aus unwiderstehlichem Drang stürzte sie auf Leontinen zu, umhalste und küßte sie. »Recht so, mein Kind!« schluchzte, jauchzte sie, »aber nicht Du, nicht Du! Der da wird für eure Liebe eintreten, wie er kann und vermag.« Im Tiefsten ergriffen und bewegt, bereute sie in diesem Augenblick, ihren Gemahl zum zähen Festhalten Schmasman gegenüber noch aufgestachelt zu haben, und war jetzt selber zu jedem Opfer für das Glück ihres Kindes bereit. »Und Du, Oswald,« wandte sie sich an den Grafen, »sieh Dir die Beiden hier an und sprich ein Wort, wie Dir ums Herz ist!«
Graf Oswald stand und blickte vom einen zum andern von den Dreien, unschlüssig und mit sich kämpfend. Endlich fing er an: »Wohlan, Graf Egenolf! so höret mein letztes Wort, das ich Euch zu sagen habe. Ich will Euch meine Tochter geben unter der Bedingung, daß zwischen Eurem Vater und mir nach vorausgegangener Verständigung über alle streitigen Punkte Friede bleibt und Freundschaft wird.«
»Die Bedingung nehme ich an, Herr Graf!« rief Egenolf aufathmend und schlug kräftig in Oswalds dargebotene Hand.