»Vater! Vater!« jubelte Leontine und umschlang ihn stürmisch.
Oswald befreite sich sanft von ihr und sprach: »Nun gehet hin zu Eurem Vater, Graf Egenolf, sagt ihm Alles, was wir hier gesprochen haben, und bittet ihn, mir seine Vorschläge zu machen.«
Egenolf sah den Grafen an, als wollte er in dessen Seele lesen, ehe er mit dem herauskam, was ihm auf der Zunge schwebte. Dann begann er: »Herr Graf, zunächst erlaubt mir selber einen Vorschlag. Wenn es Euch und der Frau Gräfin genehm ist, so reite ich schnell nach der Ulrichsburg und komme gleich wieder zurück – mit meinen Eltern. Eure Verständigung könnte ja hier und heute noch erfolgen.«
Graf Oswald stutzte. »Heute noch? so eilig? da ist doch vorher noch manches zu bedenken und zu erwägen –«
Die Gräfin unterbrach ihn: »Ja, ja, so soll es geschehen. Berathen und erwägen könnt ihr beiden Herren auch hier. Der Vorschlag ist gut; führt ihn aus, Graf Egenolf!«
Leontine aber legte ihren Arm in den des Geliebten, und mit einem flehentlichen Blick zu ihm aufsehend sprach sie: »Egenolf, ich möchte Dich heute nicht von mir lassen. Könnten wir Deinen Eltern nicht Botschaft senden mit der Bitte, gleich heraufzukommen?«
»Ja, das können wir, und das wollen wir,« rief Egenolf. »Du hast doch den klügsten Gedanken.«
»Glaubt Ihr, daß sie daraufhin kommen werden?« frug Oswald.
»Ich hoffe es zuversichtlich,« erwiederte Egenolf. »Ich schreibe ein paar Zeilen an meinen Vater, daß Ihr eine offene Aussprache mit ihm wünschtet.«