»Gewiß!« lächelte Egenolf, »komm her!«
Sie setzte sich schnell und schrieb, litt aber nicht, daß Jemand las, was sie geschrieben hatte.
Graf Oswald faltete das Schreiben und versiegelte es.
Isinger erschien, und als er Egenolf mit Leontinen Hand in Hand bei einander stehen sah, begriff er sofort, und ein verschmitztes Lächeln glitt über seine gebräunten Züge. Graf Oswald gebot ihm: »Herni soll gleich nach der Sanct Ulrichsburg reiten und dem Herrn Grafen Maximin von Rappoltstein diesen Brief überbringen. Wir erwarten die Herrschaften hier so bald wie möglich.«
Isinger, das Schreiben nehmend, verbeugte sich stumm und ging. Im Stallhof trieb er Herni zur größten Eile, gab ihm noch ein zweites gesatteltes Pferd mit und sagte: »Auf diesem frommen Gaul bringst Du mir den Hans Loder mit herauf und bestellst ihm, es gäbe heut einen guten Trunk hier oben. Aber reit zu!«
Das Mittagsmahl ward ein paar Stunden später angesetzt, so daß der Koch Zeit genug zur Ausführung des Befehles hatte, es ja recht sorgsam vorzubereiten und zwei oder drei auserlesene Gänge einzuschieben. Das gesammte Burggesinde gerieth in einen freudigen Aufruhr, als die Veranlassung dazu unter ihm ruchbar wurde. Dimot tanzte vor Vergnügen und machte prahlerische Andeutungen, als hätte nur ihre einflußreiche Vermittlung den geschlossenen Herzensbund zu Stande gebracht.
Auf Oswalds Einladung erschienen nun Graf Wilhelm und Gräfin Katharina bei ihren Geschwistern. »Sieh mal hier, Wilhelm!« rief Oswald seinem Bruder zu, »wir haben schon einen Gefangenen gemacht.«
»Gefangen in diesen holden Banden,« lächelte Egenolf und schritt mit Leontinen auf das gräfliche Paar zu.
»Das begreife, wer kann!« sagte Graf Wilhelm, »ich verstehe kein Wort davon. Es scheint, daß man sich auf der Hohkönigsburg an Überraschungen gewöhnen muß.«
»Die nächste Überraschung für Dich wird wohl die sein,« erwiederte Oswald, »daß wir den Grafen Maximin von Rappoltstein mit den Seinigen hier erwarten. Ihr müßt euch deßhalb mit dem Mittagsmahl noch etwas gedulden.«