Er und Graf Oswald waren sich nach dem unheilvollen Abend im Rathskeller zu Rappoltsweiler nicht wieder begegnet, und ihr heutiges Wiedersehen würde in Anbetracht dessen, was in der Zwischenzeit dem Einen vom Andern gedroht hatte, etwas Peinliches gehabt haben, wenn sich nicht beide mit weltmännischer Gewandtheit und dem Willen, zu vergessen, darüber hinweggesetzt hätten. Ihre Begrüßung war gegenseitig die denkbar höflichste, und in der gleichen höchst verbindlichen Weise begrüßte Oswald die Gräfinnen Herzelande und Isabella sowie Imagina und den Grafen Kaspar.

Er führte seine Gäste den ihrer oben Harrenden zu, sagte dann aber zu Schmasman: »Wenn es Euch recht ist, Herr Graf, ziehen wir beide uns erst zu einer vertraulichen Unterredung ein Weilchen zurück.«

»Damit kommt Ihr meinen eigenen Wünschen entgegen, Herr Graf,« erwiederte Schmasman, und sie begaben sich selbander in Oswalds Gemach.

Die um die Schloßherrin versammelt bleibenden Übrigen waren zwar nicht völlig außer Sorge über den Ausfall der das Schicksal der Verlobten entscheidenden Berathung ihrer Familienhäupter, thaten aber so, als wären sie es, und ergingen sich während der langen Abwesenheit der beiden Grafen in möglichst harmlosen, manchmal freilich etwas befangenen Gesprächen. Nach und nach wurde die Unterhaltung jedoch lebhafter und heiterer, und zuletzt sprudelte Imagina von neckischem Übermuth und trug eine wahre Taubenunschuld dabei zur Schau, als hätte sie nicht das Geringste von den Herzenspraktiken der zwei Liebenden geahnt.

»Wo in aller Welt habt ihr euch denn zusammengefunden?« fragte sie keck, »und wer hat eure Liebesschwüre und Sehnsuchtsseufzer von Burg zu Burg hinüber und herüber getragen?«

»Abgerichtete Schwalben haben uns mit Überbringung von Briefen und Blumen Botendienste gethan,« lachte Leontine.

»Ich hatte das Schellenmännlein in meinem Solde,« fügte Egenolf hinzu, »das kennt die unterirdischen Gänge in den Bergen hier und läuft wie ein Maulwurf darin herum.«

»Und ich die leichtbeschwingte Waldnymphe Echo,« sagte Leontine wieder, »die rief uns unsere Grüße zu und enthüllte dem Einen die Gedanken des Anderen.«

»Ja, wenn ihr Vögel und Blumen, Nymphen und Zwerge zu Helfershelfern hattet, brauchtet ihr freilich keines Menschen Rath und Beistand,« sprach Imagina mit einem schlauen Lächeln.

»Sollten sie wirklich ohne alle menschliche Hilfe gewesen sein, Imagina?« sagte Herzelande zu der sich unwissend Stellenden. »Es giebt doch mitleidige Seelen, die gern Kundschaft treiben und kluge Winke geben.«