»Als die Letzte in der Runde habe ich auch den letzten Wunsch,« sagte Gräfin Margarethe, »und knüpfe ihn an den ersten an, den Graf Maximin aussprach. Wie die Hohkönigsburg die Heimat eures Glückes ist, so möge sie auch stets der Hort eurer Liebe bleiben.«

Damit gelangte der Pokal zum Brautpaar zurück. Egenolf erhob sich an Leontinens Seite und sprach: »Ich trinke die Neige bis auf den letzten Tropfen mit dem Gelübde, Alles zu thun, was in eines Menschen Willen und Kräften steht, daß das in Erfüllung gehe, was ihr uns zu unserem Glücke gewünscht habt.«

Der wandernde Becher und die ihn begleitenden Wünsche hatten im ganzen Kreise Frohsinn und festliche Stimmung wieder hergestellt, die auch bis zum Ende des Mahles die Herrschaft behielten. Bald aber mußten die Rappoltsteiner aufbrechen. Die Thiersteiner geleiteten sie bis zum Stallhof, wo sie zu Pferde stiegen und fröhlich abritten, auf der Hohkönigsburg nur Freunde zurücklassend. –

»Margarethe,« sprach Oswald zu seiner Gemahlin als sie wieder oben und beide allein waren, »das war heut ein großer Tag für uns, der mich von schweren Sorgen befreit und unserem Hause eine glorreiche Zukunft eröffnet hat. Jetzt stehe ich auf festen Füßen und kann allem Kommenden die Stirn bieten. Die Fehde mit Burkhard muß durchgefochten werden; nun ich aber Rappoltstein zum Bundesgenossen habe, sehe ich ihr mit Ruhe entgegen. Unsere Tochter haben wir einem edlen jungen Ritter verlobt, der einmal der einflußreichste Lehensherr im Lande sein wird, wie es jetzt sein Vater ist. Leontine wird mit ihm glücklich werden.«

»Hast Du den Frieden mit Schmasman auch nicht zu theuer erkauft?« fragte die Gräfin.

»Ich denke nicht. Wir haben uns über Alles geeinigt; in einigen Stücken habe ich nachgegeben, in anderen hat er mir Zugeständnisse gemacht.«

»Du hast also nicht viel erreicht, wie mir scheint.«

»Ich bin froh, daß ich von dem willensstarken, klugen und weitschauenden Manne überhaupt etwas erreicht habe,« sprach Oswald. »Trotz seines unverkennbaren Wohlwollens gegen mich hatte ich einen harten Kampf mit ihm und war mir dabei in jedem Augenblick bewußt, welch ein hoher Einsatz es war, den ich wagte, um den ich mit ihm rang, und daß Alles verloren gehen konnte, wenn ich halsstarrig blieb und mich auf nichts einließ, – diese Burg, die Reichsgewalt, meine ganze Stellung und auch Leontinens Glück. Aber nun Kopf hoch, Margarethe! die Gefahr ist vorüber. In der Pfalz Friedrich des Rothbarts zu Hagenau wurde früher die deutsche Kaiserkrone aufbewahrt; jetzt ist die Hohkönigsburg das Bollwerk kaiserlicher Macht im alten Wasgau, und ich bin ihr berufener Hüter und Handhaber.«