»Ja! sie soll mit den vier Winden zu Tanz gehen am eichenen Kirschbaum, die Giftmischerin!« rief Loder wild in seinem Zornerguß. »Ich habe Grund zu vermuthen, daß sie sich in Ottrott aufhält oder dort in der Gegend herumtreibt. Wir müssen auf sie fahnden, und wenn wir sie erwischen, muß sie sterben, und wenn ich sie mit diesen meinen Händen erwürgen soll!«

»Giftmischerin? wen hat sie denn vergiftet?«

»Frage mich nicht, ich darf es nicht verrathen,« erwiederte Loder. »Sie hat auch gewahrsagt,« fügte er nach einer Weile hinzu, »wenn Graf Egenolf und Gräfin Leontine sich mit einander verbänden, so würde groß Unglück und Blutvergießen daraus kommen. Und es kommt schon, es kommt schon, Fritz! Du sollst sehen, zwischen unserem Herrn und Burkhard giebt es dieses Verlöbnisses wegen heiße, blutige Fehde.«

Unter solcherlei Gesprächen waren sie allmählich in Ottrott angelangt und hielten hier in der Herberge zum lustigen Rebmann eine kurze Rast, um sich durch einen Trunk zu stärken.

»Willst Du hierbleiben und auf mich warten, bis ich oben im Schloß meine Sach erledigt habe?« fragte Loder.

»Nein, Hans, ehrbare Biederleut verlassen sich nicht,« erwiederte Syfritz. »Ich gehe mit Dir, würde mich hier um Dich sorgen und Dich in großen Gefährden sehen. Dem Rathsamhausen trau ich Alles zu, garnichts ausgenommen und hintangesetzt.«

Loder schüttelte den Kopf: »Es wäre ja wider allen deutschen Brauch, wenn er mir etwas anthäte.«

»Ich bleibe, wo Du bleibst,« erklärte Syfritz nochmals.

»So komm denn!«

Auf Schloß Rathsamhausen fanden sie ein lebhaftes Treiben von reisigem Volk und eine große Menge von Gewaffen und allerhand Rüstzeug aufgestapelt. Sie ließen sich beim Burgherrn anmelden, der den Befehl gab, ihm Loder sofort vorzuführen, seinen Gesellen aber bis auf Weiteres nicht aus dem Thor heraus zu lassen.