»Da habt Ihr Recht, Herr! Man muß den Stier bei den Hörnern, die Frau beim Rock und den Mann beim Wort fassen,« erwiederte Loder. »Wer aber selber nicht Treu und Glauben hält, darf sich nicht wundern, wenn sich der Betrogene von ihm abkehrt.«
»Wer ist betrogen, und wer hat betrogen?« fuhr Burkhard auf.
»Ich habe einmal eine Mär von einem Rittersmann gehört, der sich mit einem andern unter einer gewissen Bedingung zu einer Fehde verabredet hatte, diese Bedingung aber nicht einhielt, sondern seinen Bundesgenossen nur zu seinen eigenen ehr- und habsüchtigen Zwecken hinterrücks ausnutzen wollte.«
»Was Du sagst! ein ganz verzwickter Fall! Schade, daß Du den Rittersmann nicht vor Dein Pfeifergericht ziehen und einsperren kannst wie den armen Seppele seines lustigen Schelmenliedes wegen.«
»Ja, sehr Schade! ich thät' es gar zu gern,« lachte Loder.
»Unverschämter!« rief Burkhard zornroth, »es ist mir noch in frischem Gedächtniß, wie Du Dich in Deinem Lumpenkönigthum trotzig gegen mich aufgespielt und mein Angebot einer erklecklichen Buße für Seppele schnöde zurückgewiesen hast.«
»Mit Fug und Recht, Herr! und den Seppele hole ich mir doch und sperre ihn so lange wieder ein, bis er seine Zeit abgesessen hat, mit oder ohne Eure gnädige Erlaubung.«
»Blähst Dich ja schon wieder ganz hochmüthig auf und bist doch hier in meiner Gewalt.«
»Eine Gans bückt sich, wenn sie durchs Scheunenthor geht. Im Übrigen stehe ich hier als Abgesandter des Grafen Maximin von Rappoltstein,« sprach Loder nachdrücklich im Bewußtsein seiner Würde.
»Hoher Sendling,« spottete Burkhard, »könntest Dir ein gutes Botenbrod verdienen, wenn Du mir sagtest, wer meine Eule hat, die sie mir in Rappoltsweiler gestohlen haben. Ich will sie wiederhaben, und der sie mir vom Kopfe geschlagen, an dem will ich mich rächen, o – blutig rächen, keine Ruhe hab ich, bis ich an dem Menschen meine Rache gekühlt habe,« schrie er voll Gift und Galle. »Gesteh es! wer hat die Eule?«