»Ich weiß es nicht, einer von meinen Herren gewiß nicht.«

»Hast Du sie nicht auf der Hohkönigsburg gesehen? bist doch wohl oben gewesen und hast für Deinen Junker den Freiwerber bei der rothmähnigen Grafentochter gemacht. Oder hat sich Gräfin Imagina damit ein Paar rothe Kuppelschuhe verdient?«

»Dazu bedurfte Graf Egenolf keines Vermittlers; er hat selber um die schöne, junge Gräfin geworben,« entgegnete Loder. »Bei dem Brautschmaus auf der Hohkönigsburg war ich zu Gaste, aber wenn ein Rappoltstein einen Fürsprecher nöthig hätte, würde er sich dazu einen Mann von Stand und Rang aussuchen.«

»Ihr Rappoltsteiner, Herr wie Knecht, bildet euch wohl ein, die Eier, die eure Hennen legen, hätten zwei Dotter?«

»Das nicht, aber zwei Zungen haben die Rappoltsteiner auch nicht im Munde.«

Wieder traf den Kühnen ein drohender Blick, doch Burkhard bezwang sich noch, und mit gespannt lauerndem Ausdruck sprach er: »Jetzt sage mir einmal, wenn Du es weißt, welche Klatschzunge es gewesen ist, die Deinem Herren meine Absicht auf die Hohkönigsburg verrathen hat.«

»Die selbe Zunge, Herr, die hier zu Euch spricht.«

»Du? – Du hast das gethan?« rief Burkhard mit weit aufgerissenen Augen und, die Hand auf dem Tische, sich wie zum Sprunge vorbeugend.

»Niemand anders. Erinnert Ihr Euch, daß ich Euch bei Eurem Abreiten vom Pfeifergericht in Rappoltsweiler den Bügel hielt? Ihr sahet mich nicht, weil ich auf der anderen Seite Eures Pferdes stand, aber ich hörte das Gespräch, das Ihr vor dem Aufsitzen mit Herrn Jost von Müllenheim über meinen Lehnsherrn und die Hohkönigsburg führtet.«