Egenolf sprang aus den Bügeln und fiel dem Alten um den Hals. Aber schnell zuckte er zurück, packte Loder bei den Schultern, drehte ihn hin und her und besah ihn rechts und links. »Hans!« rief er dann, »Du hast ja zwei Lauscher am Kopfe!«
»Ja, habt Ihr schon einmal einen Menschen gesehen, der drei Ohren hatte, Graf Egenolf?« erwiederte Loder.
»Aber sie haben Dir doch eins abgeschnitten.«
»Mir? daß ich nicht wüßte! ich habe nichts gemerkt.« Er faßte sich mit der Hand erst nach dem einen, dann nach dem anderen Ohr und sagte: »Sie sitzen alle beide noch an der richtigen Stelle.«
Seppele schüttelte sich vor Lachen. »Ich kann's Euch erklären, Herr Graf,« sprach er. »Hans weiß nichts davon, und ich wollt' es ihm auch nicht sagen. Im Schloß Rathsamhausen war gerade eine alte Scheuerfrau gestorben, der hat man, aber wie sie schon todt war, auf Befehl des Herrn Burkhard ein Ohr abgeschnitten und es Syfritz mitgegeben, daß er's dem Herrn Grafen Schmasman als ein Ohr von Hans Loder überbrächte, um Euch zu schrecken und einzuschüchtern.«
»Was? ein Altweiberohr für ein Ohr von mir ausgegeben?« rief Loder entrüstet. »Als ob ich Ohren wie ein altes Weib hätte!«
»Das ist eine offenbare Beleidigung, Hans,« neckte ihn Egenolf. »Da hättest Du wohl lieber eins von Deinen eigenen hergegeben.«
Dann stimmten sie aber beide in Seppele's Lachen von Herzen ein.
»Ich bin hergeritten, Hans,« sprach Egenolf, »um zu versuchen, ob ich Dich mit Hilfe meines Freundes Bruno heimlich aus Deiner Haft lösen könnte, und nun bist Du schon frei. Wie geht das zu?«
»Der hier hat mir ausgeholfen,« sagte Loder auf Seppele zeigend. »Aber Jungherr Bruno darf es nicht wissen, Herr Graf!«