»Soll geschehen,« sprach Egenolf und erhob sich. »Ich muß fort, denn ich habe einen weiten Weg.«

Sie ließen sich beim Prior melden, um sich von ihm zu verabschieden und ihm für seine Gastfreundlichkeit zu danken. Nachdem sie dies gethan, bestiegen sie die Pferde, sagten sich herzlich Lebewohl und ritten von dannen, der Eine nach Norden, der Andere gen Süden. Des durch Seppele befreiten Gefangenen hatte keiner von beiden mit einem Wort Erwähnung gethan. –

Als die Klosterglocke von St. Pilt das Ave läutete, erblickte Egenolf den mit langen Schritten ausgreifenden Loder in einiger Entfernung vor sich. Er setzte sein Pferd in Trab und hatte ihn bald erreicht. »Bist wohl mit Siebenmeilenstiefeln gewandert,« rief er ihm zu, »ich dachte nicht, daß Du so weit kommen würdest, ehe ich Dich einholte.«

»Rasch gehen ist meine Art von früher Gewohnheit aus der Zeit, da ich noch als junger Fahrender durch die Welt lief, und ich kann es auch in meinem betagten Alter noch,« erwiederte Loder.

»In Rappoltsweiler willst Du nicht hoch zu Roß einziehen,« sprach Egenolf, »aber jetzt steigst Du auf und ruhst Dich im Sattel ein wenig aus, ich will es so. Soll ich Dir den Bügel halten?«

»Na, das fehlte noch!« lachte Loder, gehorchte aber gern und saß auf. Egenolf ging nebenher und hielt mit dem Reitenden gleichen Schritt.

»In Rappoltsweiler wissen sie's jetzt wahrscheinlich schon, daß ich frei geworden bin,« sagte Loder. »Ich traf zwei Pfeiferbrüder, die vorausgerannt sind, meine Rückkehr zu verkünden.«

»Da wird es nun von Mund zu Munde heißen: der Pfeiferkönig kommt wieder! und sie werden Dich großartig empfangen. Wie herrlich wäre es nun, wenn Du eingeritten kämst! thu es doch, Hans!« suchte Egenolf ihn zu bereden.

»Nein, das thu ich nicht. Ja, wenn wir zwei Pferde hätten, ich den alten, dicken Schimmel aus dem Gnadenstall der Ulrichsburg, daß wir beide neben einander reiten könnten, das ließ' ich mir gefallen, aber Ihr gehen und ich reiten, – nein, das bring ich nicht fertig,« erklärte der Alte.