Dicht vor Rappoltsweiler stieg er ab, und Egenolf schwang sich wieder auf. Am Thore, zum Theil vor dem Thore standen Haufen von Menschen, und als die Beiden herankamen, als brächte Egenolf den befreiten Liebling seinem harrenden Volke wie im Siegeszuge zurück, da brach der helle Jubel los. »Willkommen! willkommen, Hans!« schrieen sie ihm zu, und Alles drängte sich an ihn heran, ihm die Hände zu schütteln. Einer der Fahrenden, die seine Rückkehr verkündet hatten, sprang herzu, strich ihm die langen, grauen Locken an beiden Schläfen zurück und rief: »Seht her! kein einziges von seinen Ohren fehlt ihm!« was die Freude des Wiedersehens noch erhöhte. Viele, die von seiner Flucht noch nichts Näheres gehört hatten, jauchzten auch Egenolf dankbar zu, weil sie glaubten, er hätte den Pfeiferkönig befreit und aus Rathsamhausen zurückgeholt, und Egenolf kam in dem Lärm nicht zu Worte, die unverdiente Ehrung abzulehnen. Das ging so durch die ganze Stadt, bis die Zwei durch das Thor des Metzgerthurmes wieder heraus waren, um sich zur St. Ulrichsburg hinaufzubegeben, denn dahin mußte Loder mit; Egenolf ließ es sich nicht nehmen, ihn seinem Vater lebendig und heil zuzuführen.
Als er dann mit dem Geretteten plötzlich oben in das Gemach trat, wo er die Seinigen mit Kaspar und Imagina beisammen fand, waren Überraschung und Freude erst recht groß. Sie flogen förmlich von ihren Sitzen, umringten Loder und bestürmten ihn mit tausend Fragen. Da machte es Egenolf so wie unten in der Stadt jener Fahrende: er zeigte ihnen Loders beide unversehrte Ohren. Der Pfeiferkönig mußte zum Abendessen und auch die Nacht auf der Burg bleiben, und bei Tische erzählte er ausführlich seine Erlebnisse.
Schmasman ärgerte sich zwar über den höhnischen Schimpf und Possen, den ihm Burkhard mit dem untergeschobenen Ohr gespielt hatte, war aber froh, daß es nur ein heimtückischer Narrenstreich gewesen war, und freute sich von Herzen, seinen lieben Hans lebendig wieder zu haben. Lächelnd sprach er: »Nun verzeihst Du mir auch wohl, Hans, daß ich den Seppele ohne Deine Erlaubniß frei gelassen habe. Oder hast Du ihn, wie Du ja wolltest, wirklich wieder mitgebracht, um ihn einzusperren?«
»Nein, Herr Graf, heute hab' ich ihn begnadigt,« lachte der Alte.
Nach Tische flüsterte Egenolf seiner Schwester Isabella ein paar Worte zu, die ihre Augen aufleuchten und ihre Wangen erglühen machten.
Da trat Imagina, der nichts entging, was in ihrer Gegenwart geschah, auf ihn zu und sagte leise: »Egenolf, wenn das nicht ein Gruß von Bruno war, so will ich fortan mit Eulen statt mit Falken baizen.«
»Was sollte es wohl sonst gewesen sein, Du Allwissende!« gab er ihr lachend zurück.