»Darum komme ich ja her, Dir darüber zu berichten,« sprach Müllenheim. »Wir sind alle zum Ausrücken bereit und warten nur auf Deinen Ruf. Wo sollen wir uns sammeln?«
»Nun, hier bei uns und in Klingenthal, Ottrott, Sanct Nabor, wo ihr Platz findet. Aber bist Du der Anderen auch wirklich ganz sicher, Jost?« fragte Burkhard noch einmal.
»Wie meiner selbst, Burkhard!« betheuerte Müllenheim. »Hättest mal Deinen Schwager Schaffried von Leiningen, bei dem ich vor zwei Tagen auf der Dagsburg war, und die Drei auf Schloß Landsberg hören sollen, wie sie über den Landvogt herzogen, den uns der Kaiser hier auf den Hals geschickt hat, als hätte er im ganzen deutschen Reiche keinen hochmüthigeren finden können. Sie wußten freilich ebenso wenig wie ich etwas von der Heirathsabrede und dem sich doch wahrscheinlich daraus ergebenden Bündniß zwischen Rappoltstein und Thierstein. Die Beiden zusammen mit ihren Freunden sind sehr stark, Burkhard!« fügte er mit erhobenem Finger warnend hinzu, »und gegen ihre vereinten Kräfte die Hohkönigsburg zu stürmen –«
»Wär' ein hartes Stück Arbeit, willst Du sagen; da hast Du Recht,« fiel Burkhard ein. »Mein Sohn ist ohne mein Wissen vor einiger Zeit einmal oben gewesen. Ich vermuthe, der Hansnarr hat sich dort einen Korb von der Rothen geholt. Bei der Gelegenheit hat ihn Thierstein aus freien Stücken und wahrscheinlich mit bewußter Absicht auf der ganzen Burg herumgeführt und ihm alle Werke gezeigt, die so gewaltig sein sollen, daß sie Bruno für unnehmbar hält.«
»Und doch willst Du sie berennen?«
»Nein, den Gedanken hab' ich aufgegeben. Wir müssen den Thierstein herauslocken und ihn mit seinen Verbündeten zur Feldschlacht zwingen.«
»Wie willst Du das anfangen?«
»Wir fallen in Rappoltstein'sches Gebiet ein und rauben, brennen und sengen so lange, bis sie uns entgegenkommen und sich uns zum offenen Kampfe stellen. Da sind wir ihnen gewachsen, hoff' ich, und haben wir sie geschlagen, so wird die Hohkönigsburg der Siegespreis, ohne den wir das Schwert nicht wieder einstecken,« sprach Burkhard mit einer bewunderungswürdigen Zuversicht.
Müllenheim wiegte nachdenklich das Haupt und sagte: »Es wäre vergeblich, Dir jetzt noch abzurathen, sonst thät' ich's; denn Hoffnung auf gut Gelingen hab' ich nicht, aber Du hast mein Wort, und ich lasse Dich nicht im Stich. Die Unsrigen sind alle wagemuthige Kampfhähne und freuen sich auf die Fehde wie die Mädels auf die Kirchweih, denn es ist ihnen schon viel zu lange Ruh und Frieden im Lande gewesen. Also nur drauf und dran und nicht mehr zögern damit!«