»Nein, nein! Dir den Siegeskranz auf die kampfheiße Stirn drücken,« rief sie begeistert. »Was Du Ahnung nennst, ist mir Glaube und Gewißheit: Du kommst wieder! und mein Lohn und Preis sollen hundert oder tausend sein wie dieser hier,« schloß sie mit einem glühenden Kuß auf seinen Mund.

Die knapp bemessene Zeit, die sich Egenolf zum Verkehr mit der Geliebten jetzt abmüßigen konnte, verging ihnen mit Plaudern und Kosen nur allzuschnell, und er mußte aufbrechen, obwohl ihn Leontine mit Bitten und Schmeicheln noch zu halten suchte. Es war ein langer, leidenschaftlicher Abschied, den sie von ihm nahm, denn im Geheimen war sie weit besorgter um ihn, als sie sich merken lassen wollte, um nicht auch ihm das Herz schwer zu machen.

Nach der St. Ulrichsburg ritt er so schnell zurück, wie es die Beschaffenheit des Weges erlaubte, weil er gewärtig sein mußte, daß ihn sein vielbeschäftigter Vater, der seiner Dienste jetzt häufig bedurfte, schon sehr vermißte.

Graf Maximin hatte nach Egenolfs Meldung von der dreisten Kundschafterei, welche die Rathsamhausen inmitten der gegnerischen Stellungen betrieben, dafür gesorgt, daß die verbündeten Streitkräfte in der Runde näher an einander geschlossen wurden, damit sie jederzeit den beiden Feldhauptleuten zur Verfügung stünden. –

Isinger war in seinem Fahrwasser und entfaltete eine sich abhetzende Geschäftigkeit in der Musterung von Waffen und Kriegsgeräth, und das nicht bloß auf der Hohkönigsburg, sondern auch in den Lagern, wo er eigentlich nichts zu suchen und zu sagen hatte. Er war viel in den Bügeln, tauchte bald hier, bald da plötzlich auf, gab kleine Winke und machte auf zweckdienliche Änderungen und Verbesserungen in mehr oder weniger bescheidener Weise aufmerksam. Es lag in seiner großspurigen Art, dabei wichtig zu thun, als wäre er mit besonderen Vollmachten versehen und mit geheimen Aufträgen betraut.

Als er eines Nachmittags nach Rappoltsweiler geritten kam, fand er die Stadt von Gewappneten zu Roß und zu Fuß überfüllt, die in Bürgerhäusern, zum Theil selbst in der Kirche und im Kloster untergebracht waren. Viele aber blieben bei ihren Pferden, die nicht alle Stallung gefunden hatten und, an Pflöcke gebunden, auf dem Markt oder vor den Thoren standen.

Er fragte nach Hans Loder und mußte ziemlich lange nach ihm suchen, bis er ihn mit dem Lehnsträger eines bei Thannenkirch belegenen Rappoltstein'schen Hofes in einer Herberge beim Weine fand. Der Mann kannte Isinger und lud den Herrn Stallgrafen ein, mitzutrinken, was sich der dem Becher allzeit Gewogene nicht zweimal sagen ließ. »Nehm' ich mit Wohlgefallen und Dank an,« sprach er und setzte sich klirrend und rasselnd zu den Beiden an den Tisch. Er war geharnischt und sah sehr unternehmend und kriegerisch aus, hatte sich den Schnurrbart keck aufgezwirbelt, blickte stolz um sich und sprach in einem lauten, herausfordernden Tone.

»Das schaut hier ringsum wie ein Feldlager aus,« hub er an. »Überall sieht man Stahl und Eisen in der Sonne blitzen, Fähnlein von Reisigen ziehen und Reiter traben oder Wacht halten, als lebten wir schon mitten im Kriege.«

»Wenn's nur erst losginge!« sagte der selbst geharnischte Lehnsmann. »Wir Rappoltstein'schen brennen darauf, den Rathsamhausen mal eins auszuwischen.«

»Wir von der Hohkönigsburg werden uns auch nicht auf faulem Pferde finden lassen, sondern ihnen tüchtig eins über den Kopf schmieren,« schloß sich ihm Isinger an, sein Schwert auf den Boden stoßend. »Seht mal, mit diesem langen Flederwisch kann ich Einem eine Wunde hacken, die man mit einem eichenen Brett und siebenundzwanzig Schloßnägeln zustopfen muß.«