»Wirst Du gleich erfahren, Hans.«
Als sie durch den Metzgerthurm aus der Stadt hinaus waren und Niemand etwas von ihrer Unterhaltung hören konnte, sprach Isinger gönnerhaft: »Ich habe Dir damals geholfen, Hans, das Wolfsfell vom Grafen Egenolf ins Schlafgemach unserer jungen Gräfin zu schmuggeln, heute verlange ich von Dir einen Gegendienst.«
»Drücke los!« sagte Loder.
Isinger brachte nun sein Anliegen vor und fing an: »Gräfin Leontine ist nicht ohne einige Sorge, daß ihrem Herzallerliebsten im Gefecht etwas zustoßen könnte. Er wird ja in einer guten Eisenhaut stecken, die so leicht keinen Schwerthieb durchläßt, aber zu seiner größeren Sicherheit möchte sie ihm ein Schutzmittel, einen Ta–lis–man, ja, so nannte sie's, – ich habe mir das sackermentsche Wort dreimal von ihr vorsprechen lassen – einen Talisman mitgeben. Es ist einer von ihren Handschuhen, die sie an dem Tage getragen hat, als ihr Graf Egenolf zum ersten Mal im Leben begegnet ist. Dieser Handschuh soll die Kraft in sich haben, den Grafen hieb- und stichfest zu machen, sagt sie. Ob sie einen heimlichen Zauber damit vorgenommen hat, weiß ich nicht, aber ich habe fürsichtigerweise und ohne ihr Wissen noch ein bischen nachgeholfen, bin mit dem Handschuh in Sanct Pilt gewesen und habe dort von einem frommen Mönch einen kräftigen Wundsegen darüber sprechen und ihn mit Weihwasser besprengen lassen.«
»Hm!« machte Loder, »und den Handschuh sollst Du oder soll ich dem Grafen Egenolf einhändigen.«
»Nein, nicht einhändigen, das hätte die junge Gräfin selber thun können. Er muß ihn während der ganzen Fehde stets bei sich tragen, ohne daß er es weiß, sonst wirkt der – Talisman nicht,« erwiederte Isinger. »Gräfin Leontine meint, daß Du auf der Ulrichsburg jederzeit freien Zutritt hast, und läßt Dich daher bitten, dafür zu sorgen, daß der Handschuh verhohlen in Graf Egenolfs Harnisch oder Helm oder Sattel befestigt wird. Verstehst Du?«
»Ja, aber im Helm oder Harnisch würde er des Dinges doch ansichtig werden, wenn er sich wappnet. Da wird's das Beste sein, ich lasse den Handschuh inwendig in das Futter seines Sattels nähen, das kann er nicht merken. Aber ohne den Sattelmeister bring ich das nicht fertig.«
»O der kann's ja wissen, wenn's nur der Graf selber nicht erfährt.«
»Nein, nein! der Sattelmeister hält dicht; gieb den Handschuh her, ich nehm's auf mich.«