Fleckenstein mußte hier, sehr gegen seinen und seiner Gefährten Wunsch, wohl eine Stunde lang unthätig halten, ehe ihm die zum Kundschaften ausgesandten Reiter das Vorrücken des Feindes meldeten, aber mit seiner Ungeduld wuchs auch seine Hoffnung, daß die Rappoltsteiner, durch diese Verzögerung begünstigt, rechtzeitig auf dem Kampfplatz erscheinen würden.
Das Thal war, sich seinem Ausgang ins Flachland nähernd, sehr breit und bot mit seinen ebenen Feldern und Wiesen Raum genug zur Entwickelung eines größeren Gefechts, dessen Beginn, nachdem sich die beiden Heerhaufen erblickt hatten, nun endlich zu gewärtigen war.
Schon von fern erkannte Fleckenstein, daß der Feind seine Reiterei als erstes Treffen vor dem Fußvolk führte, während er selber seine Mannschaft in einem einzigen Treffen aufgestellt hatte, das Fußvolk in der Mitte und die Reiterei auf beiden Flügeln, eine Anordnung, die ihm bei seinem nun erfolgenden Angriff sehr zu Statten kommen sollte.
Als sie sich nahe genug waren, stürmten die beiderseitigen Reiterschaaren gegen einander an, und die Rathsamhausen'schen wurden von den Fleckenstein'schen wie von zwei Armen umfaßt, so daß sie sich nach rechts und links wehren mußten.
Es war ein harter Anprall, den sie zu bestehen hatten, aber sie hielten ihn aus und waren nicht zum Weichen zu bringen. Die Ritter suchten die Ritter in diesem Reiterkampfe, der sich immer hitziger entspann und das Thal mit lautem Getöse von Eisenklirren, Rufen, Schnauben und Stampfen erfüllte. Nun kam auch das Fußvolk heran, und es entstand ein heftiges Scharmützel zwischen ihm und den Berittenen; alle regelrechte Schlachtordnung war aufgelöst, man schlug und stach wild auf einander los, und Blut floß auf beiden Seiten reichlich.
Burkhard spähte rachgierig nach Oswald von Thierstein aus, um sich tödtlich mit ihm zu messen, konnte ihn aber nicht entdecken, weil er sich an anderer Stelle mit Jost von Müllenheim herumschlug, bis ihm Johann von Kageneck zu Hilfe kam, so daß Müllenheim weichen mußte. Isinger hielt sich soviel wie möglich an seines Herren Seite, ward aber mehrmals von ihm abgedrängt und gerieth zuweilen in mißliche Lage, aus der er sich jedoch stets tapfer wieder heraushieb.
Das hin und her wogende Gefecht kam allmählich zum Stehen, begann sogar für die Fleckenstein'schen eine üble Wendung zu nehmen, weil diese, ohne die Rappoltsteiner, der Rathsamhausen'schen Macht nicht gewachsen waren. Plötzlich aber lichteten sich deren Reihen. Hinter ihnen erhob sich ein verworrenes Geschrei, und gleich darauf drang deutlich vernehmbar Waffenlärm daher, ein Zeichen, daß jetzt auch dort gekämpft wurde. Die Rappoltsteiner waren dem Feinde in den Rücken gefallen und griffen mit frischen Kräften in das Gefecht ein, das nun eine ganz andere Gestalt annahm und sich an zwei Stellen des Thales zugleich entfaltete. Burkhard erkannte sofort, wessen Werk diese wohlberechnete Taktik war, und jagte, eine Schaar der Seinigen mit sich fortreißend, auf die Rappoltsteiner zu.
In dem nun entstehenden, sich über einen weiten Raum ausdehnenden Getümmel begegneten sich Egenolf und Bruno und wechselten, Jeder den Anderen erkennend, eine Anzahl mustergültiger Fechterhiebe, die alle mit geschickter Deckung aufgefangen wurden. Dann nickten sie sich lachend zu und stoben auf Gegner los, die sie nicht schonen wollten. Nun konnten sie doch sagen, daß sie heldenhaft mit einander gekämpft hätten.
Burkhard bemühte sich, Alle, die ihm gefolgt waren, zu einem entschiedenen Angriff oder geschlossenen Widerstande zu sammeln, was ihm aber in dem wirren Durcheinander nicht glückte. Er konnte nur mit einer verhältnißmäßig geringen Zahl beherzter Draufgänger ein paar verzweifelte Vorstöße unternehmen, die aber stets zurückgewiesen wurden, so daß er sich nun auf verstreute Einzelgefechte beschränkte, wo er die Gelegenheit dazu ersah. Schmasman wollte er vermeiden wie dieser ihn, weil keiner von beiden sein Schwert mit dem Blute des alten Freundes färben wollte. Aber auf Wilhelm von Rappoltstein hatte er es in seinem Grimm über dessen gelungene Umgehung und verderbenbringenden Überfall desto böswilliger abgesehen. Wüthend rannte er ihn an, als er ihn erblickte, und zwischen beiden entspann sich ein erbitterter Zweikampf, aus dem Graf Wilhelm endlich als Sieger hervorging. Ein gewaltiger Schwerthieb des Letzteren durchschlug das Riemenzeug an Burkhards Panzer und drang, das Schlüsselbein brechend, ihm tief in die linke Schulter, sodaß Burkhard im Sattel wankte und kampfunfähig vom Pferde zu Boden sank.