Die Rathsamhausen'schen, von vorn und von hinten zugleich bedrängt, wurden überwältigt, zersprengt, in die Flucht getrieben, Verwundete und Todte auf dem Schlachtfelde zurücklassend. Der Kampf war zu Ende, und der ihn heraufbeschworen hatte, blieb als Gefangener in den Händen der Sieger.

Man nahm ihm den Harnisch ab und öffnete das Wams, um seine stark blutende Wunde nothdürftig zu verbinden, was Isinger mit Geschick vollbrachte. Weit mehr aber als diese Wunde schmerzte den Trotzigen die erlittene Niederlage. Er warf einen langen Blick auf Schmasman, wie wenn er sagen wollte: Hättest Du mir Wort gehalten, was Du gelobt hattest! Dann lag er, von Bruno gestützt, ganz still und gab auf keine Frage mehr Antwort. Wie innerlich gebrochen stierte er halb finster, halb träumerisch ins Leere, als wäre sein Geist mit etwas weit Abliegendem, Geheimnißvollem beschäftigt, das ihn der Gegenwart entrückte.

Für ihn selbst und seine Freunde war die Gefangennahme Burkhards ein geradezu vernichtender Schlag, für die Thierstein'schen Verbündeten dagegen ein Gewinn von so großer Bedeutung, daß er ihnen die herben Verluste, die auch sie erlitten hatten, vollständig aufwog.

Unter den wenigen Gefangenen ritterlichen Standes befand sich auch Jost von Müllenheim, der statt zu fliehen so lange bis aufs Äußerste gekämpft hatte, bis er, unentrinnbar umzingelt und leicht verwundet, sich ergeben mußte. Schmasman berieth nun mit den beiden siegreichen Feldhauptleuten, was mit den Gefangenen geschehen sollte. Sie waren alle drei abgesessen und standen etwas entfernt von der Gruppe, die den am Boden liegenden Burkhard umringte.

Graf Wilhelm von Rappoltstein drang darauf, Müllenheim nach Hohrappoltstein zu bringen und dort so lange einzusperren, bis mit sämmtlichen Besiegten Abrechnung gehalten und Friede geschlossen war.

Diesem Vorschlage trat auch Friedrich von Fleckenstein bei, indem er seine Zustimmung damit begründete, daß man schneller zum Friedensschluß gelangen würde, wenn man die beiden bedeutendsten und gefährlichsten Gegner in Haft nähme, denn daß Burkhard, der Anstifter und unablässige Hetzer der Fehde, festgesetzt werden mußte, war außer Frage.

Schmasman aber widersprach der Einlegung des mächtigen Schloßherren von Girbaden, darauf hinweisend, daß Müllenheim der Einzige wäre, der bei Burkhard zuweilen Gehör fände und deßhalb bei den Verhandlungen mit dem Störrigen als Vermittler wirken könnte. Nur sein ritterliches Selbstgefühl, das sich gegen die Ansprüche des Grafen Thierstein kräftig auflehnte, und seine Anhänglichkeit an Burkhard hätten ihn vermocht, sich an der Fehde zu betheiligen und des Freundes ehrgeizigen Plänen Vorschub und Beistand zu leisten. Daß er nun auch gegen die Rappoltsteiner kämpfen mußte, wäre nicht sein Wunsch und Wille, sondern die natürliche Folge der inzwischen eingetretenen Ereignisse gewesen, welche die Rappoltsteiner zu Verbündeten Thiersteins gemacht hatten.

Das Alles hielt Schmasman den beiden Anderen in nachdrücklicher Weise vor und setzte es durch, daß wie die übrigen Gefangenen, sammt Burkhards Sohn Bruno, auch Müllenheim freigelassen und ihm nicht einmal Rüstung, Waffen und Pferd abgenommen wurde.

Bis auf Bruno, der seinen schwer verwundeten Vater noch nicht verlassen wollte, verabschiedeten sie sich alle von Burkhard, dem sie Worte des Trostes, einige von ihnen auch solche der Hoffnung auf einen günstigen Fortgang der Fehde zuflüsterten, und folgten dann ihren geschlagenen Genossen das Weilerthal hinauf nach.

Bevor Müllenheim abritt, zog ihn Schmasman, der den äußerlich Derben und Rauhen als einen rechtschaffenen, klugen und besonnenen Mann schätzte, noch in ein längeres Gespräch ohne Zeugen. Er verständigte ihn, da jener zu seinem größten Erstaunen noch gar nichts davon wußte, über seinen mit Oswald von Thierstein geschlossenen Vertrag, den er Burkhard brieflich und seinen Verbündeten mündlich mitgetheilt hätte und der von den letzteren allseitig gutgeheißen worden wäre. Müllenheim billigte die getroffenen Vereinbarungen durchweg als die auch ihm willkommene, beste Schlichtung des leidigen Streites. »Hätt' ich das nur früher gewußt!« rief er aus, »Burkhard hat mir kein Wort davon gesagt, aber jetzt weiß ich auch, was ich zu thun habe.«