Dann schüttelten sie sich die Hände und schieden von einander, nun nicht mehr Feinde. Müllenheim schwang sich in den Sattel und trabte den Seinigen nach.

Für Burkhard wurde auf dem Untergestell eines eroberten Wurfgeschützes, auf dem er gefahren werden konnte, ein Lager hergerichtet, und Niemand erhob Widerspruch gegen das Verlangen des Grafen Oswald von Thierstein, ihn unter Isingers Obhut auf die Hohkönigsburg zu bringen. Als Burkhard dies hörte, flog ein unwilliges Zucken über sein Gesicht. Auf die Hohkönigsburg sollte er! Das war von Allem das Schwerste, was er bei seinem tiefen Falle zu tragen hatte, doch er schwieg.

Bruno richtete an den Grafen Oswald die Frage: »Wollt Ihr mir gestatten, Herr Graf, meinen Vater bis auf die Hohkönigsburg zu begleiten?«

»Sehr gern, Jungherr Bruno!« erwiederte Graf Oswald, »und ein Reitender soll sogleich den Klosterarzt von St. Pilt aufs Schloß bestellen.«

»Ich danke Euch, Herr Graf!« sagte Bruno. »Nachdem ich meinen Vater hinaufgebracht, werde ich heimreiten, um meine Mutter zu beruhigen.«

Als sich der Zug mit dem Verwundeten unter Bedeckung von Reisigen in Bewegung setzte, trat Egenolf noch an Bruno heran und sprach leise zu ihm: »Ich werde thun, was ich kann, Bruno, daß die alte Freundschaft unserer Väter wieder lebendig werde.« Ein stummer Handdruck Bruno's dankte ihm.


XXVII.

Beinahe Mittag war es geworden, als die Entscheidung in dem heißen Kampfe gefallen war, und nach einer kurzen Ruhe verabschiedeten sich, ihres Sieges froh, die ritterlichen Streiter herzlich von einander, um mit ihren Schaaren abzurücken, jeder heim nach seiner Burg. Doch wurden, auch von den Besiegten, Mannschaften auf dem Schlachtfelde zurückgelassen, die gegen die zahlreichen Verwundeten und Todten, zu welchen letzteren auf Thierstein'scher Seite ein jüngerer Bruder Hermanns von Hattstadt und auf Rathsamhausen'scher ein Zorn von Bulach gehörte, die Pflichten der Menschlichkeit erfüllen sollten.