Die das traurige Geschäft zu besorgen hatten, stießen dabei auch auf einen Gefallenen, der in Ansehung seiner mangelhaften Ausrüstung und Bewaffnung wie seiner Jugend nicht zu den Kämpfenden gehört haben konnte. Er trug keinen Panzer über dem Wams, aber eine rostige, zu große Blechhaube auf dem Kopfe, und ein kleines, altes Schwert hing ihm am Gürtel. Er lag auf dem Rücken in einer Lache Blut, das sich aus einer klaffenden Halswunde ergossen hatte. Sie standen vor dem Entseelten, betrachteten seine schlanke Gestalt und sein hübsches, noch ganz bartloses Gesicht, und es jammerte sie des armen Gesellen, den hier ein früher Tod ereilt hatte.
Die ihn gefunden hatten, waren zwei reisige Knechte aus Rappoltsweiler, und der eine sprach zum anderen: »Weißt Du, Merten, wie der aussieht? – wie ein Zwillingsbruder von Haschop, unserer Zigeunerin.«
»Genau so!« fuhr Merten aus seinen Gedanken auf, »ich wollt' es eben auch schon sagen. Aber Haschop hat keinen Bruder, und jetzt bin ich meiner Sache sicher, daß sie es selber ist.«
»Ich glaub's wahrhaftig auch,« sagte der Erste wieder, »mein Gott! wie kommt die hierher?«
Sie nahmen die Blechhaube von dem etwas zur Seite geneigten Kopfe, und da quoll üppiges, schwarzes Frauenhaar hervor, so daß ihnen kein Zweifel mehr blieb, wen sie vor sich hatten.
Es war in der That Haschop, deren einst so liebreizend lachender Mund nun für immer verstummt war. Sie hatte sich, wieder in der männlichen Kleidung, die sie als Kesselflicker getragen, dem Fuhrwesen der Müllenheim'schen angeschlossen, von denen Niemand sie kannte und die sie, ihr wahres Geschlecht nicht ahnend und sie für einen gut gewachsenen, eigentlich schon waffenfähigen Troßbuben haltend, gern bei sich aufgenommen hatten. Sie wollte Zeuge des Kampfes sein, um zu sehen, was dabei das Schicksal Egenolfs sein würde, ob nicht eine feindliche Lanze das vollbrächte, was ihrem Messer mißlungen war. In ihrer Rachsucht und ihrer Unerfahrenheit hatte sie sich sogar der kindischen Hoffnung hingegeben, möglichenfalls mit ihrem kurzen Schwerte zu seinem Verderben beitragen, vielleicht durch Verwundung seines Pferdes Roß und Reiter zum Sturze bringen zu können. Darum hatte sie sich tollkühn in das Gefecht hinein gewagt und war auf der Flucht von den Reitern eingeholt und niedergehauen worden.
Voll Mitleid beschlossen die beiden Knechte, sie in einem Grab allein zu bestatten, hoben sie auf und trugen sie zum nahen Walde. Dort bereiteten sie ihr die letzte Ruhestätte und pflanzten auf den Hügel statt eines Kreuzes einen abgehauenen Baumzweig, dessen Blätter schon welk und braun waren.
Nachdem sie am Grabe knieend ein kurzes Gebet verrichtet hatten, sagte Merten: »Dem Pfeiferkönig müssen wir es melden, wenn wir heimkommen, wen wir hier zum langen Schlaf gebettet haben. Wie wird sie ihn dauern! er hatte die hübsche Schwarzäugige gern.«
»Und der arme Farkas!« sprach der Andere. »Vor zehn Jahren hat er sein Weib begraben, und heute hat er hier sein einziges Kind verloren; nun ist er ganz verlassen und allein.«
»Nicht viel über zwanzig Jahr kann sie geworden sein,« fing Merten wieder an. »Hast Du sie mal tanzen sehen? Die konnte Sprünge machen, sag' ich Dir! Schade, Schade um das schöne, junge Leben! Gott nehme sie in Gnaden zur ewigen Seligkeit auf!«