Das war Haschops Grabrede aus einem einfältigen, treuherzigen Gemüth, das von ihrem Lieben und Leiden, ihren Listen und Tücken nichts wußte.
Egenolf, der die Zigeunerin im Gefecht nicht bemerkt, wenigstens nicht erkannt hatte, erhielt heute keine Kunde mehr von ihrem Tode. Die Grafen von Rappoltstein waren schon weit weg vom Kampfplatze, weil sie vorläufig keinen erneuten Angriff zu befürchten hatten und von einer Verfolgung des geschlagenen Feindes absahen. Sie zogen mit den Ihrigen über Kinzheim, Orschweiler und Bergheim nach Rappoltsweiler und ihren Schlössern, wohin Schmasman einen Reiter mit der Siegesbotschaft vorausgeschickt hatte.
In Rappoltsweiler wurden sie von der gesammten Bevölkerung freudig empfangen und unter glückwünschenden Zurufen durch die Stadt geleitet. Auf der Zugbrücke der St. Ulrichsburg erwartete sie Hans Loder mit seiner Trumpete und blies bei ihrem Nahen eine schmetternde Weise, in die der Thürmer auf dem Bergfried mit seinem Wächterhorn jubelnd einstimmte.
Die Gräfinnen Elisabeth und Imagina waren schon eingetroffen und hatten dafür gesorgt, daß auch ihre Gatten sich der bestaubten Rüstungen entledigen und umkleiden konnten. Als die vier Herren dann erfrischt in den Saal zurückkehrten, setzte Imagina ihrem Schwager Wilhelm einen schnell für ihn gewundenen Eichenkranz aufs Haupt, den Alle, auch Schmasman, dem kriegserfahrenen Bruder, dessen vortrefflichem Plan und Oberbefehl der Sieg zu danken war, von Herzen gönnten.
Bald saß die ganze Familie an der Tafel beim fröhlichen Mahl, an dem auch Hans Loder heute theilnehmen mußte. Die Männer schilderten den aufmerksam zuhörenden Frauen den Gang des Gefechtes, und Graf Wilhelm äußerte ein Wort des Bedauerns, Burkhard mit eigener Hand so schwer verwundet zu haben. »Aber der über unseren Rückenangriff Erboßte,« sprach er, »rannte mich ungestüm an und ließ nicht ab von mir, so daß sich zwischen uns ein Zweikampf auf Leben und Tod entspann, in dem Einer von uns fallen mußte, und da hat das Glück zu meinen Gunsten entschieden.«
»Sagen wir Dein gutes Schwert und Deine überlegene Fechtkunst, Wilhelm,« fiel Schmasman ein. »Übrigens scheint mir seine Wunde nicht lebensgefährlich und wird in der Kur des Pater Eusebius gewiß bald heilen.«
»Auch Bruno und ich haben unsere Fechtkunst gegen einander erprobt,« erzählte nun Egenolf. »Wir trafen uns im Scharmützel und haben eine Jägermesse lang unsere Klingen Schlag auf Schlag regelrecht gekreuzt. Bruno ist im heutigen Kampfe völlig unversehrt geblieben,« schloß er mit einem Blick auf Isabella, für die allein seine Mittheilungen bestimmt waren und die ihrem Bruder dafür mit den Augen dankte.
»Glaubst Du, Schmasman,« begann Gräfin Herzelande, »daß mit dem heutigen Gefecht nun die ganze Fehde, die uns so lange beunruhigt und bedroht hat, abgethan und aus ist?«
»Fast möcht' ich es glauben, weil Burkhard außer Kampf gesetzt ist,« erwiederte Schmasman. »Ohne ihn werden die Übrigen nichts weiter gegen uns oder die Thiersteiner zu unternehmen wagen.«