»Hört mich an, Graf Schaffried, und ihr Anderen auch,« erwiederte Müllenheim ruhig. »Daß wir die mit so großer Macht vertheidigte Hohkönigsburg nicht stürmen und unsern Freund Burkhard nicht mit Gewalt befreien können, werdet ihr wohl einsehen, oder ist Einer unter euch, der das nicht einsieht?« Sie schwiegen. »Also darin wären wir einig,« fuhr er fort. »Daß unsere Gegner uns auch im Felde überlegen sind, haben wir heute zu unserem Schaden gemerkt. Wie denkt ihr euch nun die Fortsetzung der Fehde? Uns verstärken? noch Bundesgenossen werben, angenommen, daß wir welche finden? Wir haben heute große Verluste erlitten, die nicht so bald zu ersetzen sind.«
»Die da drüben sind auch nicht leer ausgegangen,« warf Henning von Landsberg dazwischen.
»Sicher nicht! wir haben uns tapfer gewehrt. Aber ein geschlagenes Heer ist schwer wieder an den Feind heran zu bringen, und ich fürchte, unsere Leute, wenn sie uns auch, ihrem Lehnseide getreu, Folge leisteten, würden nur widerwillig und unlustig noch einmal in den Kampf gehen und ihre Haut für eine Sache zu Markte tragen, deren Nothwendigkeit und Gerechtigkeit sie nicht verstehen.«
»So muß man ihnen dieses Verständniß klar machen,« sprach Leiningen.
»Könnt Ihr das, Graf Schaffried? ich nicht. Denn nach dem, was ich heut erfahren habe, kann ich unsere Sache nicht mehr für eine gerechte halten.«
»Oho! das ist ja ganz etwas Neues. Auch gegen den Thiersteiner nicht?« riefen Leiningen und Landsberg dem Wortführer zu, und auch Lützelstein schloß sich ihrem Widerspruch an.
»Nein, auch Thierstein gegenüber nicht,« erwiederte Müllenheim. »Was Burkhard, obwohl er genaue Kenntniß davon hatte, uns Allen zu Unrecht verschwiegen hat, das hat mir heute Schmasman offenbart, sein Übereinkommen mit dem Grafen Thierstein, das er in unser Aller Namen mit ihm getroffen hat und das –«
»Wer hat ihm dazu Vollmacht ertheilt?« unterbrach Leiningen den Redner heftig.
– »und das,« fuhr Müllenheim unbeirrt fort, »für beide Theile so zufriedenstellend ausgefallen ist, daß Schmasmans Freunde, die doch ebenso entschiedene Gegner der Thierstein'schen Ansprüche waren wie wir, sich damit vollkommen einverstanden erklärt und sich Schmasmans Bündniß mit Thierstein angeschlossen haben.«