»Gebilligt? niemals! gewarnt hab' ich Dich, und nie wäre es zu dieser Fehde gekommen, wenn Du uns reinen Wein eingeschenkt hättest statt uns so schmählich zu hintergehen. Du hattest, was Du mir ebenfalls verschwiegen hast, Schmasman versichert und gelobt, keine Sonderabsichten auf die Hohkönigsburg zu haben und hattest sie doch damals schon. Wie nennst Du das? ich habe nur ein Wort dafür, – willst Du es hören?«

»Sollte Thiersteins Beleidigung gegen mich ungerächt bleiben?« erwiederte Burkhard ausweichend, weil er das Wort doch lieber nicht hören wollte.

»Steigt ihr Zwei doch auf die Gäule, legt die Lanzen auf einander ein und zerschrotet euch mit den Klingen Helm und Harnisch,« rief Müllenheim. »Ich will mit Vergnügen zusehen, wenn es zwischen euch splittert und kracht.«

Burkhard stand auf und durchmaß das geräumige Zimmer kreuz und quer mit unruhigen, hastigen Schritten. Er wußte gegen Müllenheims ihm schonungslos ins Gesicht geschleuderte Vorwürfe nichts Stichhaltiges zu seiner Entschuldigung vorzubringen und würgte an den bitteren Pillen zum Ersticken.

Als er minutenlang geschwiegen hatte, fing Müllenheim wieder an: »Ich frage Dich, Burkhard, was soll aus Dir werden? Willst Du in Deinem überspannten Trotz hier verschimmeln und verfaulen statt Dir die Freiheit mit einem billigen Nachgeben zu erkaufen? Deinem alten Waffenbruder Schmasman hast Du schnöde die Thür gewiesen, die er Dir durch seine Vermittelung öffnen wollte. Wir Anderen rühren keine Hand und zäumen kein Roß mehr Deinetwegen, der Du in Deiner heillosen Verblendung und Verstocktheit dickköpfig beharrst, taub für Freundesrath und Vernunftgründe. Du bist in Thiersteins Gewalt; ich an seiner Stelle ließe Dich nicht in diesem behaglichen Gastgemach, sondern würfe Dich in das dunkelste Loch und machte Dich mit Hunger und Durst kirre, bis Du das Knie vor mir bögest und um Gnade flehtest.«

»Das thätest Du! aber Gott sei Dank weiß ich mich hier in ritterlicheren Händen als in den Deinigen,« brauste Burkhard grimmig auf.

»Ah! in ritterlichen Händen! also zu der Einsicht bist Du doch schon gekommen, daß Du hier in der Gewalt eines ritterlichen Mannes bist. Das wäre ja ein sehr erfreulicher Fortschritt Deiner mangelhaften Erkenntniß.«

»Man kann sich in seinen Feinden wie in seinen sogenannten Freunden irren,« gab ihm Burkhard bissig zum Bescheid. »Du überschüttest mich mit kränkenden Worten, willst aber keine Hand für mich rühren und läßt mich elend im Stiche.«

»Tod und Teufel! was soll ich denn machen?« wetterte Müllenheim. »Es ist doch Deine Schuld, daß Du hier festsitzest. Kann ich Dich aus dem Fenster auf meinem Rücken durch die Luft tragen? Du bist ein verlorener Mensch und kommst im Leben nicht wieder los, wenn Du nicht das Wörtlein Frieden über die Lippen bringst.«

»Eh ich das thue, will ich verrecken!« schrie Burkhard, die Fäuste ballend und nach seiner Gewohnheit mit dem Fuß auf den Boden stampfend.