Er ging aus dem Saale hinaus und kam wieder zurück, in den hoch erhobenen Händen Burkhards Eule tragend.

Burkhard war sprachlos, als er sie erblickte. Sein Gesicht verklärte sich in einen Freudenschimmer, und seine Augen strahlten und glänzten, als wollten Thränen daraus hervorquellen.

Oswald schritt um den Tisch herum auf ihn zu und sprach: »Ich habe Euch die Eule vom Haupte gestoßen, Herr Burkhard, ich setze sie Euch jetzt wieder auf. Seid gekrönt mit Eurem ehrwürdigen Erbkleinod und tragt es noch recht oft bei frohen Gelagen im Kreise Eurer Freunde!«

Burkhard, die Eule auf dem Kopfe, erhob sich und schüttelte, vergeblich nach Worten des Dankes suchend, dem Grafen beide Hände.

Der ergötzliche und unter den obwaltenden Umständen bedeutsame Vorgang rief lauten Jubel hervor, denn Alle wußten, eine größere Freude als die Wiedererlangung seiner Eule hätte dem über ihren Verlust Untröstlichen nicht widerfahren können.

Burkhard stand noch immer aufrecht, und als sich der Tumult am Tische gelegt hatte, hub er an zu sprechen: »Ich weiß nicht, Graf Oswald, wie ich Euch danken soll, daß Ihr mir wiedergebt, was ich so schmerzlich vermißt habe. Erinnert Euch, was ich sagte, als ich mit der Eule auf dem Kopfe im Rathskeller zu Rappoltsweiler erschien. Ich sagte, daß sie ihrem Träger die Macht und das Recht verliehe, die Wahrheit zu erkunden und zu verkünden und frank und frei auszusprechen, was er denkt und fühlt. Laßt mich das auch heute thun. Aber nicht wieder drohen will ich Euch, nicht mit Euch streiten, denn ich habe Euch Burgfrieden gelobt und bin Euch Dank schuldig. Euer Gefangener war ich, Euer Gast bin ich, und werden möchte ich noch etwas Anderes. Wundert Euch nicht über den raschen Wandel meiner Gesinnung; das kommt Einem an in der Nacht, man weiß nicht wie. Ich will Euch die Wahrheit sagen, denn mit der Eule auf dem Kopfe kann ich nicht heucheln und lügen. Nichts hält mich ab, in diesen Mauern und in dieser Gesellschaft offen und ehrlich zu bekennen, daß ich von einem bösen Wahn befallen war. Er ist für immer entschwunden, wie vom Winde verweht, der um diese Höhe braust und Nebel und Wolken verscheucht. Ihr wünschtet mir vorhin, daß ich diesen alten Hut noch recht oft im Kreise meiner Freunde tragen möchte. In einem solchen Kreise befinde ich mich hier und will Euch künden, was in diesem Augenblicke mein Herz bewegt. Es ist der Wunsch, Euer Freund zu werden, wenn Ihr mich dessen werth haltet und auch der meinige werden wollt. Hier meine Hand! nehmt Ihr sie an, Graf Oswald?«

»Und hier die meine!« rief Oswald aufstehend und in Burkhards Rechte schlagend.

»Darf ich als Dritter auch die meinige dazu legen?« fragte, sich erhebend, Wilhelm von Thierstein.

»Sie ist mir willkommen, Graf Wilhelm!« erwiederte Burkhard und reichte auch ihm die Hand über den Tisch hinüber.

Es war ein fast feierliches Ereigniß, das Allen ans Herz griff, die seine Zeugen waren, und ringsum an der Tafel ward eine Stille, die aber nichts Beklemmendes hatte, sondern sich wie eine segensvolle Weihe der Stunde auf die Gemüther legte.