Burkhard nahm nun die Eule vom Haupte und blickte sich suchend um, wo er sie lassen sollte.
Da sprach die ihm zur Rechten sitzende Gräfin Margarethe: »Wollt Ihr mir erlauben, Herr von Rathsamhausen, Euren zaubermächtigen Federhut einmal näher zu betrachten?«
»Sehr gern, Frau Gräfin!« erwiederte Burkhard verbindlich und reichte ihr die Eule.
»Gebt sie dann weiter! wir kennen sie auch noch nicht,« bat eine der Frauen.
So ging denn die Eule bei den Damen am Tische herum, und die eine und andere machte ihre Bemerkungen über die wunderliche Kopfbedeckung.
»Die Eule ist der Vogel der Weisheit,« sagte Gräfin Katharina, »aber ob es wohl immer weise Worte sind, die von den Herren gesprochen werden, wenn sie beim Weine von Haupt zu Haupte schwebt?«
»Im Wein ist Wahrheit,« rief ihr Gräfin Elisabeth zu, »und wenn unter dem Schutz und Schirm dieses Eulenhutes sich Weisheit und Wahrheit vereint offenbaren, so ist er mehr werth als eine Königskrone.«
Als der Hut an Imagina kam, setzte sie ihn sich auf ihr blondes Köpfchen und sah mit ihrem blühenden, lachenden Antlitz unter dem großäugigen Kauz entzückend aus.
»So!« sprach sie, »jetzt habe ich die Eule auf dem Kopfe, und nun will ich euch Wahrheit und Weisheit zugleich verkünden. Höret mich an! Hier an diesem Tische befinden sich zwei Herzen, die heimlich in Liebe und Sehnsucht für einander schlagen. Das ist die Wahrheit. Weisheit aber wäre es, wenn wir die Sehnsucht der Beiden stillten und sie zu ihres Lebens höchstem Glück zusammengäben.« Sie stand auf und fuhr mit lauter Stimme fort: »Lieber Schwager Maximin von Rappoltstein, ich werbe bei Dir für den Jungherrn Bruno von Rathsamhausen um die Hand Deiner Tochter Isabella.«