»So! dann kannst Dir mir wohl zufällig auch den Pelz an die Stelle liefern, für die er bestimmt ist?«
»Gewiß!« sprach Loder, »das bedarf nicht viel Wesens und Kunst. Ich habe auf der Hohkönigsburg einen alten Genossen meiner Jugend, der dort Huf- und Kurschmied ist, wie ich gehört habe. Der wird schon Rath schaffen, wie die Sache anzugreifen ist, daß Euer Wolfsfell der gnädigen jungen Gräfin unbemerkt zu Handen oder vielmehr zu Füßen kommt. Morgen bringe ich's ihm, wenn es der Meister Kürschner fertig hat.«
»Wir gehen jetzt zu ihm, Hans, und fragen,« erwiederte Egenolf eifrig im Jubel seines Herzens, daß Loder bereit und im Stande war, ihm zu helfen. »Sieh mal,« fuhr er, aus seinem Wams ein weißes Tuch hervorziehend, mit frohlockenden Augen fort, »in dieses Linnen mußt Du den Balg hübsch einwickeln, ich hab es selbst aus einer Truhe stibitzt.«
»Aber Graf Egenolf!«
»Macht nichts, Alter! das erfährt meine Mutter gar nicht,« lachte der Glückliche. »Und hier hab ich noch etwas; dies Brieflein, das thust Du dem Wolf in den Rachen zwischen die Fänge, daß es die junge Gräfin dort findet.«
»Hm!« machte Loder, »werden's besorgen.«
»Aber daß es Dein alter Kumpan nur ja recht geschickt anstellt, es ihr richtig in die Hände zu spielen!«
»O der Ottfried Isinger ist ein mit allen Hunden gehetzter Schlaufuchs,« beruhigte Loder den freudig Erregten, »ich kenne ihn von Kindesbeinen an. Er ist seines Herkommens ebenso wie ich ein Spielmannssohn und auch in derselben Stadt mit mir geboren und aufgewachsen, hatte aber keine Lust und keine Anlage zur edlen Musika, weil er kein Gehör hatte. Ihn zog es von früh auf zu den Pferden; er trieb sich soviel er konnte in den Ställen umher, half die Gäule striegeln, füttern und tränken, bald auch in die Schwemme reiten. Dann kam er zu einem Hufschmied in die Lehre, und als er ausgelernt hatte, ging er auf Wanderschaft, und aus dem Hufschmied ward allmählich auch ein Kurschmied. Die Fähigkeit dazu war ihm angeboren, denn seine Mutter gab sich auch mit allerhand Kuren ab, heilte Gebresten an Menschen und Vieh mit Wurzeln, Pilzen und Kräutersäften, konnte das Blut besprechen und stand in dem Geruche, von dergleichen heimlichen Dingen mehr zu wissen, als sie verrathen durfte, aber es war ein einträgliches Geschäft für sie. Der Ottfried mag wohl Manches von ihren verborgenen Künsten geerbt haben, denn er bewährte sich als Kurschmied und hatte Glück mit seiner Behandlung der Rosse. Er hielt sich bald in dieser, bald in jener Stadt auf, hatte auch gute Stellungen auf mehreren Schlössern, blieb aber nirgend lange, denn die Herren wollten ihn viel Weinsaufens halb, mit Ehren zu melden, auf die Dauer nicht um sich haben, weil er zu oft über den Durst trank und dann behauptete, er hätte einen Igel im Leib, der ihn stachelte, wenn er nicht schwömme. Ich verlor den einstigen Trautgesellen für lange Zeit aus den Augen und erfuhr letztlich, daß er schon seit Jahren im steten Dienst der Grafen von Thierstein in Straßburg wäre, die ihm die immerwährende Weinfeuchte ausgetrieben hätten. Sie haben ihn nun mit auf die Hohkönigsburg genommen, wo er einen angesehenen Posten bekleiden soll. Ich war noch nicht oben, habe ihn also noch nicht gesprochen, aber morgen werde ich ihn besuchen und ihm Euer Wolfsfell auf die Seele binden.«
So waren sie in die Stadt gekommen und wußten selber nicht wie. Dort gingen sie zum Kürschner, der das Fell sorglich und sauber zubereitet hatte. Der Wolfskopf, dem funkelnde Glasaugen eingesetzt waren, sperrte den Rachen halb auf und fletschte die Zähne, daß es fast graulich anzusehen war. Egenolf war zufrieden und lohnte den Meister reichlich für seine fleißige Arbeit. Loder hüllte den Balg in das Linnen, und sie verließen damit die Werkstatt des Kürschners.