Wer aber keinen Frieden mit dem Grafen Thierstein schließen wollte, obwohl er noch gar keinen Streit mit ihm gehabt hatte, das war Herr Burkhard von Rathsamhausen. Beim Ausgang aus der Kapelle hatte er Schmasman die Hand auf die Schulter gelegt und gesagt: »Das hast Du vorhin gut gemacht, Bruder! Hättest Du nachgegeben und den Thiersteiner vorgelassen, – ich weiß nicht, was ich dann angefangen hätte, ich glaube, ich wäre vorgesprungen und hätte ihn mit Gewalt zurückgetrieben. Mit ihm hätte ich mich dann auf eigene Faust auseinandergesetzt, zwischen Dir und mir aber hätte ich wie Eberhard der Rauschebart das Tischtuch zerschnitten.«
»Das hättest Du nicht gethan, Alter!« hatte ihm Schmasman lächelnd erwiedert.
»Bei meiner armen Seele, Schmasman, der sich Gott in seiner Gnade dermaleins erbarmen möge! ich hätte es gethan, und ich thue es noch, wenn Du Dir in Deinen Hoheitsrechten jemals das Geringste gegen Den vergiebst,« hatte Burkhard mit drohendem Blicke geschworen. Dann waren sie im Gedränge von einander getrennt worden.
Jetzt ging er an Müllenheims Seite in leisem Gespräch, das damit schloß, daß Burkhard, die geballte Faust schüttelnd, durch die Zähne knirschte: »Ich ruh und raste nicht, bis ich Den von seinem Berge wieder herunter habe; da gehört ein anderer Mann hin.«
»Welchen meinst Du?« fragte Müllenheim.
»Davon ein andermal!« erwiederte Burkhard, »er wird zur Stelle sein, wenn die rechte Zeit dazu gekommen ist.«
Müllenheim schwieg, glaubte aber den anderen Mann, den Burkhard meinte, nicht weit suchen zu müssen. –
Mit einem stark begehrten Erfrischungstrunk nach der Wallfahrt, mit dem Mittagsmahl in gesonderten Kreisen und verschiedenen Wirthschaften und etwas später wieder mit einem Vespertrunk zur Vorbereitung und Anregung für die zu leistenden und entgegenzunehmenden Vorführungen verging die Zeit bis zum Beginn des Hauptvergnügens, der zu einer bekannt gemachten Stunde festgesetzt war.
Auf den Glockenschlag dieser Stunde fing der Trubel an, und das auf die mannichfaltigste Weise. Spielleute, einzeln, zu Paaren und in kleinen Banden, die sich mit einander eingespielt hatten, durchzogen musizirend die Stadt, begegneten sich in den Gassen mit anderen ohne ihr Spiel dabei zu unterbrechen oder blieben vor den Häusern stehen, in deren Thüren sie dankbare Zuhörer fanden. Das Gleiche thaten andere Fahrende, die mit erstaunlichen Kunststücken und Leibesübungen Alt und Jung ergötzten, so daß immerwährend und überall ein geräuschvolles und vielbewegtes Treiben buntgekleideter Gestalten durch einander wogte und wirbelte.