Mittlerweile füllte sich mehr und mehr die mit Laubgehängen und Gewinden geschmückte große Halle, wo die Geübtesten und Geschicktesten der Bruderschaft sich hören und sehen ließen. Der Zutritt in diesen weiten Festraum stand Jedermann offen, aber alle darin Anwesende mußten sich den Weisungen der zwölf Meister fügen, die für Ordnung sorgten, in der Mitte genügenden Platz für die künstlerischen Darbietungen frei hielten und darauf achteten, daß die auf den Bänken sitzenden Herrschaften nicht durch vor ihnen Stehende am Schauen gehindert wurden.

In wechselnder Reihenfolge traten Geiger und Bläser, Lautner und Harfner, Sänger und Tänzer auf und zeigten das Beste, was sie konnten. Beim Kommen und Gehen machten sie ihrem Lehnsherrn und seinen Gästen ihre Verbeugung und wandten sich mit ihrem Spiel stets ihnen, zuweilen aber auch ihrem König Hans Loder zu, der nahe bei Schmasman stand und wie ein glücklicher Vater an seinen wohlgerathenen Kindern seine helle Freude an dem von ihm beherrschten Volke hatte.

Eine Anzahl lobenswerther Vorträge war bereits von Statten gegangen, als ein Spielmann mit einer Laute erschien, auf den Alle, die ihn kannten, besondere Erwartungen setzten. Es war Seppele von Ottrott, jener kunstbewanderte Sänger und durchtriebene Schalksnarr, wie ihn Loder in seinem Gespräch mit Syfritz im Strengbachthale genannt hatte, der sich nun hören lassen wollte. Er war ein Mann von mittler, gelenker Gestalt mit keck dreinschauendem Gesicht, dem Schelmerei und Spottlust um Mund und Augen spielten, als er bei seinem Auftreten den Blick dreist und siegessicher durch die Versammlung schweifen ließ. Dann aber nahmen seine Züge einen ernsten, sinnigen Ausdruck an; der kunstbewanderte Sänger gewann die Oberhand, der nun in die Saiten griff und mit geschultem Wohllaut ein Lied anstimmte.

Im Wasigen, dem alten,
Geht's allweil lustig her,
Die Spielleut Einkehr halten
Und bringen gute Mär.
Da sammeln sich Verstreute
Zu Hauf, unzählig viel,
Wir Fahrenden, wir Leute
Mit Sang und Saitenspiel.

Wie mit den schönen Feien
Nachtwandelt Frau Haband,
Ziehn Tags wir Vogelfreien
Dahin, daher im Land.
Von Norden doch bis Süden,
Vom Belchen bis zum Rhein
Gebeut uns Nimmermüden
Der Graf von Rappoltstein.

Und wie die Heidenmauer
Sich um Odilien schlingt
Und felsenfest von Dauer
Urväter Grund umringt,
So hält auch uns umschlungen
Der Eintracht starkes Band,
Die Alten und die Jungen,
Bundstreu mit Herz und Hand.

Viel Burgen trutzig ragen
Im Wasgenwald empor,
Wir singen euch die Sagen,
Die halbverklungnen, vor.
Die Riesen und die Zwerge,
Die lauschen unserm Lied,
Weingeigerlein im Berge,
Die Rebleut in dem Ried.

Und wenn wir oben stünden
Zu Straßburg auf dem Thurm,
Da wollten wir's verkünden
Und blasen wie der Sturm,
Daß laut es allerwegen
Erschallte weit und breit:
Dem Wasgau Heil und Segen
Heut und in Ewigkeit!

Als er geendet, fielen sie Alle mit einander singend ein und wiederholten im Chore die zwei letzten Zeilen des Liedes. Dann aber wurde schallender Beifall, den auch Herr Burkhard seinem bei ihm sehr in Gunst stehenden Hörigen nicht versagte, dem Sänger zu Theil, und es schien sich nach Seppele so bald kein Anderer vorwagen zu wollen.