Egenolf verstand sofort, lächelte und sagte: »Ja, mir ist es beinahe selber so vorgekommen, als hätte ich eine unbewußte Eroberung an ihr gemacht; nur weiß ich nicht, wie das zugegangen sein sollte. Ich bin ihr ein paarmal im Walde begegnet, da hat sie mich angebettelt, und ich habe ihr stets etwas reichlich gegeben, und –«
»Und nun hat sie Dir heut ihren Dank getanzt und gesprungen« fiel Imagina lachend ein, »natürlich! Damit ist Alles erklärt, aber Du siehst daraus, daß man auch mit seinen Wohlthaten vorsichtig sein muß, denn sie können Einem von boshaften Menschen falsch ausgelegt werden.«
»Ich will nicht hoffen, daß es in diesem Falle geschieht,« sprach er unverfroren.
»Von unser Einem gewiß nicht, lieber Egenolf!« versicherte ihn Imagina mit treuherzigem Tone und einem schelmischen Seitenblick, »aber –, kurz und gut, schreibe Dir diese mütterliche Vermahnung hübsch hinters Ohr!«
»Soll pflichtschuldigst geschehen, verehrungswürdige Frau Muhme!« lachte er, und Imagina und Leontine lachten mit.
Damit war die Sache abgethan und Egenolf überzeugt, daß er jetzt wieder in Engelsunschuld vor Leontine dastand. O wie dankbar war er seiner holden Retterin Imagina! –
Farkas' Geigenspiel und Haschops Tanz konnten von keiner anderen Leistung mehr übertroffen werden, und die älteren Herren waren der Meinung, daß es nun wohl Zeit wäre, sich zu ihrem Abendtrunk in den Rathskeller zu begeben, wo gewiß schon Alles zu ihrem Empfange bereit war. Sie entfernten sich allmählich, die Einen mit, die Anderen ohne Verabschiedung von der verständigen Gattin, die zur Überwachung der Jugend in der Halle verblieb. Denn nun sollte hier der allgemeine Tanz beginnen, an dem sich alle Anwesenden, die Jungherren und Geschlechterfräulein, Bürgersleute und Spielmannsvolk, betheiligten und bei dem nun auch Dimot zu ihrem Rechte kommen sollte.
Der leichtherzigen Zofe gefiel das ausgelassene, bunte Treiben aus der Maßen, und da es ihr noch an Bekanntschaften hier fehlte, war es ihr sehr angenehm, daß Haschop, die sich jetzt wieder eingefunden hatte, sich ihr zuthulich anschloß und, wenn nicht eine von beiden tanzte, nicht von ihrer Seite wich. Die schmiegsame Zigeunerin wußte sich so schnell bei Dimot einzuschmeicheln, daß sie in den wenigen Stunden die besten Freundinnen wurden. Sie ließ sich viel vom Leben auf der Hohkönigsburg erzählen und fragte die Schwatzhafte dabei geflissentlich nach ihrer jungen Herrin aus, über die sie alles Mögliche zu wissen verlangte.