Da sprang Oswald wie ein Rasender auf Burkhard los, schlug ihm die Eule vom Haupte, daß sie unter den Tisch rollte, und schrie: »Hut ab, wenn Ihr den geheiligten Namen des Kaisers in den Mund nehmt!«
Burkhards Hand packte den Griff des Dolches, aber schnell umschlang den Wuthschnaubenden sein Bruder Philipp und hinderte ihn, den blanken Stahl zu zücken. Ein allgemeiner Aufruhr und Tumult entstand; in einen Knäuel zusammengedrängt bemühten sich Alle, die beiden Kampfbereiten zu trennen. Friedrich von Fleckenstein bemächtigte sich des Grafen Oswald und führte ihn mit beschwichtigenden Worten hinaus. Sein Bruder Wilhelm folgte ihnen.
Burkhard, noch immer von drei der Zurückbleibenden festgehalten, stöhnte: »Das soll ihm theuer zu stehen kommen! Jetzt laßt mich los, ich laufe ihm nicht nach.«
Sie gaben ihn frei. Er reckte die Arme, drückte sich beide Fäuste auf die Brust und sagte tief aufathmend: »Ha! das hat wohlgethan, daß ich mich einmal frisch von der Leber weg aussprechen konnte. Nun noch eine Kanne vom besten, ältesten Rangenwein!«
»Wir haben wohl Alle für heute genug, Burkhard,« meinte Schmasman.
»Nein, ich muß mir erst wieder Ruhe trinken,« erwiederte der noch sehr Erregte. »Und dann müssen auch die Thiersteiner erst weg sein; ich mag ihnen nicht mehr begegnen.«
Ungern willfahrten sie seinem Wunsch und setzten sich wieder. Der Schenk brachte ein paar Kannen von dem begehrten Wein, die sie schweigsam leerten, und dann verließen sie den Rathskeller in verstörter und bedrückter Stimmung. An die Eule und ihren Verbleib dachte keiner von ihnen, auch Burkhard nicht.