Die Weibel sorgten dafür, daß die in den Burghof Gedrungenen den Platz mit den Draußengebliebenen wechselten, damit auch diese sich an der dargebotenen Beköstigung erquicken konnten, denn Niemand sollte hungrig und durstig von der St. Ulrichsburg gehen.
Nach der so durchaus befriedigend ausgefallenen Huldigungsfeier zog das Völklein wieder ab und fiedelnd, hornend, harfend und singend den Berg hinunter.
In Rappoltsweiler konnten die Fahrenden sich heute, ohne Vorschriften über die Ausfüllung der Tagesstunden, ganz nach ihrem Gefallen ergehen und erlustigen, aber Rast und Ruhe hielten die Nimmermüden, Immerfrohen doch nicht. An allen Ecken und Enden der Stadt schwirrte und surrte, sang und klang es in allen möglichen Tönen und Tonarten. Die Einen spielten den Anderen ihre besten Stücke vor, krittelten, lachten, neckten sich und trieben seelensvergnügt allerhand harmlose Kurzweil und Possen.
Andere wieder, Tänzer, Luftspringer und Gaukler, gelenke Männer und geschmeidige Mädchen, thaten sich in Gruppen zusammen und zeigten auf ablegenen Plätzen vor den Thoren der Stadt sich gegenseitig ihre gewagtesten Übungen, bei denen sie keine anderen Zuschauer haben wollten als Kenner ihrer Kunst und Genossen ihres Faches, vor denen sie mit ihren freiesten und kecksten Schaustellungen nicht zurückzuhalten und sich eines etwaigen Mißlingens besonders schwieriger Leistungen von Kraft und Geschicklichkeit nicht zu schämen brauchten. –
Auf der St. Ulrichsburg in dem schönen, großen Saale, dessen lange Reihe gekuppelter, durch zierliche Säulchen getheilter Bogenfenster einen herrlichen Ausblick in das offene Land gewährte, saßen nun Wirthe und Gäste, zusammen ihrer neun an der Zahl, beim Morgenimbiß. Sie sprachen noch viel von den gestrigen Aufführungen in der Festhalle, aber kein Wort von dem Zank mit dem Grafen Oswald im Rathskeller, denn die dabei betheiligt gewesenen Herren hatten unter sich ausgemacht, den höchst verdrießlichen Verlauf und Ausgang der Abendzeche den Ihrigen einstweilen noch zu verschweigen. Die drei hier, die davon wußten, Schmasman, Kaspar und Burkhard, waren zerstreut und wortkarg bei Tische, und namentlich Burkhard merkte man die Ungeduld an, das Frühmahl beendet zu sehen und sich mit Schmasman über den Vorfall aussprechen zu können, was sie gestern Abend beide vermieden hatten.
Es kam ihm daher sehr gelegen, als nach Aufhebung der Tafel Imagina zu ihren jungen Freunden sagte: »Kommt mit uns hinauf nach Giersberg; ich möchte euch meinen neuen Falken zeigen, den mir Konrad von Busnang geschenkt, nachdem sich mein Hagard verstoßen hat. Ich bin eben dabei, ihm eine schöne Haube zu sticken, denn ich soll ihn noch öfter verkappt auf der Faust tragen, damit er sich an mich gewöhnt.« Egenolf, Isabella und Bruno folgten der Aufforderung gern und gingen mit Kaspar und Imagina zu deren Felsennest hinauf.
Nun begaben sich Schmasman und Burkhard, ihre Gattinnen hausmütterlichen Gesprächen überlassend, ein Geschoß höher im Palas und in Schmasmans behaglich eingerichtetes Zimmer. Dort nahmen sie in zwei geschweiften Sesseln Platz, lehnten sich bequem darin zurück und blickten sich schweigend an. Jeder wußte, was der Andere auf dem Herzen hatte, und erwartete von ihm das erste Wort.
»Nun also, was denkst Du, Bruder?« fing Schmasman endlich an.
»Wir müssen ihm absagen.«
»Hm! – zuerst gereizt hast Du ihn, Burkhard! schon ehe Du die Eule auf dem Kopfe hattest.«