»Mag sein; aber er forderte von Anfang an durch seinen hochmüthigen Ton und seine abfälligen Bemerkungen zum Widerspruch heraus, schwatzte von lächerlichen Gewohnheiten und unerträglichen Mißbräuchen, die er nicht dulden wollte, – da kochte es in mir über. Mit der Eule, die ich mir in den Rathskeller bestellt hatte, trug ich ursprünglich nichts Anderes im Sinn, als was wir so manches Mal mit ihr angestellt haben. Ich wollte den Thiersteiner nur mit scherzhaften Spitzworten ein wenig necken, ihn wegen seiner Eitelkeit und Überhebung aufziehen, nenn' es meinetwegen verhöhnen. Wie oft haben wir uns – erinnere Dich! – bei fröhlichen Gelagen, wenn die Eule rundum vom Einen zum Anderen ging, die derbsten Anzüglichkeiten unter schallendem Gelächter ins Gesicht gesagt! Niemand durfte dem, der ihn mit der Eule auf dem Kopfe hänselte und foppte, etwas übelnehmen, und that er es dennoch, so fielen Alle über ihn her und hudelten und zausten ihn, daß kein gutes Haar mehr an ihm blieb, aber niemals entstand daraus ein Streit. So haben es unsere Altvorderen schon vor unvordenklichen Jahren getrieben; die Eule durfte immer und überall ungerügt und ungestraft hecheln, spotten und schelten, wie ihr der Schnabel gewachsen war.«

Schmasman hatte den Anderen ruhig ausreden lassen und entgegnete ihm nun: »Das ist unter Freunden geschehen, die das Possenspiel kannten und vergnügt mitmachten. Du hast aber den Thiersteiner, der von dem närrischen Brauch nichts wußte, so grobe Wahrheiten an den Kopf geworfen, daß er sie nicht auf sich sitzen lassen konnte.«

»Also doch Wahrheiten, giebst Du zu. Und auf ihm sitzen geblieben sind sie auch, denn er konnte meine Anschuldigungen gegen ihn nicht widerlegen, versuchte nicht einmal, ihre Triftigkeit zu leugnen. Im Gegentheil, er hat – und das rechne ich ihm noch als Verdienst an – mit seinen Absichten und seiner Gesinnung durchaus nicht hinter dem Berge gehalten, hat sich offen zu den Plänen bekannt, die er gegen unsere und des Landes geheiligte Rechte, Freiheiten, Sitten und Gewohnheiten im Schilde führt. Und das sollen wir uns gefallen und geduldig über uns ergehen lassen? Nun und nimmermehr, so lange ich noch ein Schwert an meiner Seite habe! Er muß fort, fort, zum Lande hinaus!« rief Burkhard, mit der Faust heftig auf die Armlehne seines Stuhles schlagend.

»Das wäre Friedensbruch, Burkhard.«

»Friedensbruch? du lieber Gott, Schmasman! als wenn nicht jede Fehde ein Friedensbruch wäre! Wir haben beide, Du so gut wie ich, schon manch Einem um geringerer Ursache willen abgesagt und uns so lange mit ihm herumgebalgt, bis Einer den Kürzeren zog und der Gewalt weichend wohl oder übel nachgeben mußte.«

»Wir haben als Gäste an des Grafen Oswald Tische gesessen.«

»Und gestern war er Dein Gast. Das wechselt, heute Freund, morgen Feind, wie die Würfel fallen.«

»Er ist kaiserlicher Landvogt.«

»Was geht das uns an! Wir sind die zwei ersten Geschlechter im Wasgau, ihr das mächtigste, wir das älteste. Kein Landvogt, kein Kaiser soll uns ein Titelchen von unserer Standeshoheit nehmen; sie zu vertheidigen ist schon eines kühnen Handstreiches werth.«

»Und die Vehme?«