»Mein Gott! das wird sich finden, wenn es soweit ist,« rief Burkhard unwillig und ungeduldig.

»Weißt Du, Burkhard, was sich dabei finden wird?« sagte Schmasman und legte die Hand auf den Arm des Freundes. »Hader und Zwietracht zwischen uns, zwischen Allen, die sich zu der Hatz verbunden und dabei geholfen haben. Jeder wird den Preis des Sieges für sich begehren.«

»An sich darf Keiner dabei denken, nur daran, wie wir der Burg Herr und Meister werden,« erwiederte Burkhard. »Was ist denn Deine Meinung über ihre Zukunft?« fügte er, um den Zurückhaltenden auszuholen, mit forschendem Blick hinzu.

Schmasman zuckte mit den Achseln und ließ die Frage unbeantwortet. »Das Liebste wäre mir, aufrichtig gesagt,« kam es zögernd von ihm heraus, »wenn wir die Sache mit Ehr und Glimpf vergleichen könnten, daß alle Wirrniß gestillt und im Keime erstickt würde.«

»Vergleichen? der Thiersteiner will keinen Vergleich. Wie schnöde und hochfahrend hat er Deine Vermittlung zurückgewiesen! Und ich soll zum Frieden mit mir handeln lassen nach einer handgreiflichen, thätlichen Beleidigung?« brauste Burkhard auf. »Schmasman, ich frage Dich bei Deiner Ritterehre: würdest Du Stolzer es ruhig hinnehmen, daß man Dir den Hut vom Kopfe schlägt, ohne es blutig zu rächen? nicht um die ganze Hohkönigsburg! Wenn das Dir geschehen wäre, so würde ich mich ohne Besinnen flugs an Deine Seite stellen, wie ich das jetzt von Dir erwarte.«

»Du hast mich auf Deiner Seite, wenn Du für die Dir zugefügte persönliche Beleidigung von dem Grafen Genugthuung fordern willst,« sagte Schmasman. »Aber dazu bist Du auch allein Manns genug, ohne daß wir in einer allgemeinen, großen Fehde zu Hauf über ihn herfallen.«

»Du willst mich also im Stich lassen,« knirschte Burkhard. »Ja, fühlst Du Dich denn von dem Schlage, den er mir versetzt hat, nicht mitgetroffen? uns Alle hat er damit ins Gesicht geschlagen, nicht bloß mich, einen Einzelnen, der dafür auf seine eigene Faust Rache nehmen kann und wird, sondern den gesammten Adel des Landes. Bist Du denn so blind, daß Du nicht siehst, was folgen, wie das weiter und weiter gehen wird, bis es dahin gekommen ist, wohin er es haben will, zu unserer völligen Unterwerfung? Dagegen müssen wir Alle wie ein Mann aufstehen und reine Bahn machen. Und dazu giebt es nur einen Weg: der Thiersteiner muß fort, aus dem Lande hinaus! ich sage es noch einmal und bleibe dabei, sonst werden wir niemals Ruhe und Frieden vor ihm haben. Unsere Ehre ist verletzt, unsere Freiheit ist bedroht, Schmasman! Aus seinem eigenen Munde hast Du gehört, was er mit uns vorhat und wozu er hergekommen ist. Wie kannst Du Dich da noch bedenken! Willst Du Dich vor ihm bücken und demüthigen? Willst Du Deinen Nacken unter das Joch beugen, an das uns gewöhnen zu können sich dieser Mensch in seinem maßlosen Hochmuth einbildet? – Gieb Antwort! auf Dich und Deinen Entschluß kommt Alles an. Wenn Du uns vorangehst, folgen wir Alle; ohne Dich vermögen wir nichts, mit Dir haben wir gewonnen Spiel. Nun sprich, ob Du uns helfen willst oder nicht!«

Schmasman stand auf und schritt, die Hände auf dem Rücken, erregt im Zimmer auf und ab. Burkhard beobachtete ihn verstohlen, störte aber den noch schwer Kämpfenden jetzt mit keinem Worte. Viel hing für den in herzklopfender Spannung Wartenden an der Entscheidung dieses Augenblickes. Schmasmans Ja oder Nein bedeutete den Aufschwung oder den Absturz seiner geheimen Hoffnungen.

Nach einer Weile trat dieser auf ihn zu und sprach: »Du hast Recht, und ich bin einverstanden, daß wir Ernst machen gegen ihn und ihm Feind werden.«