Burkhard wollte in seiner Freude vom Stuhle aufspringen, aber Schmasman drückte ihn mit beiden Händen an den Schultern darauf nieder, und, ihm fest in die Augen sehend, fuhr er fort: »Versprichst Du mir, Dich ohne Hintergedanken der Führung und dem Befehle meines Bruders Wilhelm, der unter uns Allen der Kriegskundigste ist, im Gang der Fehde unbedingt zu fügen?«
»Ja, das verspreche ich.«
»Dann vorwärts! ich bin entschlossen,« sagte Schmasman und gab Burkhard frei, der sich nun auch erhob. »Aber laß uns nichts übereilen, laß uns vorerst in aller Stille Bundesgenossen werben. Sprich Du mit Deinen Freunden Müllenheim und Dürkheim; ich werde mich mit Andlau und Lützelstein in Verbindung setzen. Schade, daß sie nicht mehr hier sind; sie wollten heute früh abreiten. Brauchen wir noch andere Hilfe, so wird es uns daran gewiß nicht fehlen.«
»Je weniger Hilfe wir von Anderen brauchen, desto besser,« erwiederte Burkhard. »Müllenheim ist heute nach Schlettstadt geritten, kommt aber morgen wieder. Du behältst mich wohl morgen auch noch hier, nicht wahr? ich möchte dem Pfeifergericht beiwohnen, Seppele's wegen. Stephania und Bruno brechen heute Nachmittag auf.«
»Ihr seid unsere lieben Gäste, so lange es euch gefällt,« sagte Schmasman und reichte seinem alten Waffenbruder die Hand.
»Abgemacht! wir sind einig,« sprach Burkhard, den Handdruck erwiedernd, »und nun Gottbefohlen!«
»Wo willst Du hin?«
»Hinauf zu Wilhelm; ich habe versprochen, ihn auf Hohrappoltstein zu besuchen. Darf ich ihm von unserem Abkommen Mittheilung machen?«
»Ja, thu das! aber er soll's noch geheim halten,« versetzte Schmasman. »Auf Wiedersehen!«
Burkhard ging, und als er auf dem schattigen Waldwege den Berg hinanstieg, sagte er sich: »Ohne Hintergedanken! was soll das heißen? – ich lege es mir so aus, daß ich nichts Arges über Wilhelms Oberbefehl denken soll. Das will ich auch nicht, ich vertraue ihm, denn er versteht sich aufs Kriegshandwerk besser als Einer von uns. Aber innerhalb des Löwenthores ist es mit seiner Führung zu Ende, über die Hohkönigsburg hat er nichts zu befehlen. Ich muß ihm die Nothwendigkeit der Fehde nur im rechten Lichte zeigen, daß er mir nicht in die Karten sieht; man muß Füchs' mit Füchsen fahen. Von Schmasmans Bedenken und langem Sträuben braucht er nichts zu wissen. Also vorsichtig, Zunge im Zaum, alter Eulenspiegel!« Er blieb plötzlich wie angewurzelt stehen. »Gotts Blitz und Donnerschlag, die Eule! wo ist die Eule? die ist im Rathskeller geblieben; hoffentlich hat sie der Schenk mir gut verwahrt. Die Eule, die Eule zu vergessen!« Und über sich selber den Kopf schüttelnd stieg er weiter.