Als Schmasman allein war, nahm er seine Wanderung hin und her im Gemache wieder auf, und auch er überließ sich einem geflüsterten Selbstgespräch: »Burkhard hat Recht, es muß sein, es geht nicht anders, so schwer es mir auch wird, den Frieden zu brechen. Um die Frauen thut mir's bitter leid, denen hätte ich das harte Schicksal gern erspart. Aber mit dem Grafen ist auf die Dauer nicht auszukommen, und Bedingungen für sein künftiges Verhalten läßt er sich nicht vorschreiben. Oder vielleicht doch. Wenn er unsern einmüthigen, entschlossenen Willen erkennt, seine Niederlage vor Augen sieht und ihm zuletzt nur die Wahl bleibt, von der Hohkönigsburg auf Nimmerwiederkehr zu weichen oder sich einem Vergleiche zu fügen, dessen stipulationes wir bestimmen, so läßt er wohl zum Frieden mit sich handeln. Aber es müßte ein fester Vertrag sein mit beiderseitig streng abgegrenzten Rechten und Pflichten, schwarz auf weiß, besiegelt und beschworen. Fragt sich nur, was die Anderen dazu sagen; – sie werden einverstanden sein, bis auf Burkhard. Der wird in den Zügel beißen und schäumen; aber was will er machen? er allein kann nichts ausrichten gegen uns Alle. Von Anfang an war er den Thiersteinern entschieden feindlich gesinnt; was mag er nur haben gegen sie, daß er sie durchaus befehden und von der Hohkönigsburg vertreiben will? Freilich, die Fehde muß angesagt und ausgefochten werden. Wir müssen mit einer ansehnlichen Streitmacht anrücken, und ein paar blutige Scharmützel müssen geliefert werden, damit der Übermüthige unsern Ernst und Nachdruck fühlt. Mit dem Rüsten könnte man immerhin schon langsam anfangen ohne die Zustimmung der Freunde abzuwarten.«

Er hörte Schritte vor der Thür und öffnete. Sein Kämmerling war es, dem er nun gebot: »Geh zum Grafen Egenolf, Reimar, und sag ihm, wenn er schon von Giersberg zurück ist, ich ließe ihn bitten, zu mir zu kommen.«

Als Egenolf nach einigen Minuten bei ihm eintrat, empfing ihn Schmasman mit den Worten: »Egenolf, Du mußt satteln und reiten, morgen schon.«

»Gern, Vater! wohin Ihr befehlt,« antwortete der Sohn.

»Das Wohin und Wozu ist ein Geheimniß, das ich Dir ohne Scheu anvertraue; Du wirst es hüten, nicht wahr?«

»Unverbrüchlich, Vater!«

»In die Thäler mußt Du reiten, Egenolf, überall, wo Lehnsleute von uns auf ihren Höfen sitzen, und ihnen bestellen, daß sie sich vorsehen und rüsten sollen zur Gefolgschaft mit Wehr und Waffen, zu Roß und zu Fuß, denn es ist eine Fehde im Anzuge.«

»Eine Fehde?« rief Egenolf mit freudig blitzenden Augen, »darf ich fragen, gegen wen?«

Schmasman zögerte mit der Antwort, dann sagte er ruhig und fest: »Gegen den Grafen Oswald von Thierstein auf der Hohkönigsburg.«