»Um Gotteswillen! was ist das? Vater, wie ist das möglich?« sprach Egenolf tief erschrocken und unwillkürlich einen Schritt zurücktretend.
»Es ist so, und es muß sein,« erwiederte Schmasman kurz.
»Eine wirkliche, ernsthafte Fehde, unvermeidlich, unabwendbar?«
»Unvermeidlich, wir haben's wohl erwogen, und schwer genug ist mir der Entschluß geworden. Jetzt frage nicht weiter, ich kann Dir die Gründe heute noch nicht mitteilen. Auch den Lehnsleuten sage nicht, gegen wen sie kämpfen sollen, sie werden es zur rechten Zeit erfahren.«
Egenolfs Gedanken stürmten und wirbelten durch einander. Feindschaft, Fehde gegen den Vater Leontinens! War das die Folge des Streites an der Kapelle? Aber die beiden Herren hatten sich doch nachher versöhnt und freundlich mit einander verkehrt? Unbegreiflich! wie war das gekommen, und was sollte daraus werden? Sein Herz war dort oben, und sein Arm sollte –, o es war entsetzlich. Und kein Davonkommen! da konnte auch Imagina nicht helfen. Und was wird Loder sagen? Loder! – schnell durchzuckte es ihn, – das – das ginge, es wäre doch ein Aufschub, wenn auch ein kurzer nur.
»Vater,« begann er, »ich soll nicht fragen, aber eine Bitte darf ich wohl aussprechen. Gebt mir Hans Loder mit bei dem Auftrag! er kennt alle unsere Leute im Wasigen und weiß mit ihnen zu reden und zu verhandeln besser als ich. Ihr habt ihn schon öfter zu wichtigen Sendungen verwandt, die er stets zu Eurer vollen Zufriedenheit ausgeführt hat.«
»Gut, nimm den Hans mit,« erwiederte Schmasman, »und ich will ihn selbst vorher noch sprechen; also überlaß es mir, ihn einzuweihen. Aber da fällt mir ein, morgen ist ja das Pfeifergericht, da kann er nicht abkommen, und heute hat er auch alle Hände voll zu thun und ist nicht mehr zu haben. Nun, so große Eile hat es nicht; also übermorgen will ich ihn sprechen, und den Tag darauf reitet ihr.«
Damit war die Unterredung zu Ende. Eine kleine Frist war mit dem Ausweg gewonnen, aber weiter nichts, und Egenolf verließ seines Vaters Gemach mit einem sehr schweren Herzen.