Zwei Spielleute, zwei ganz verwegene Gesellen ihrem Äußeren nach, kamen heran.

»Ihr habt,« begann Loder, »laut Beschwerde der Patres von der Abtei Murbach im Klostergarten dort eine lebensgroße Strohpuppe aufgestellt, mit einer Mönchskutte angethan und mit einem Eselskopfe versehen, dessen Ohren lang durch zwei Löcher aus der Kapuze herauslugten. Wie seid ihr in den Garten gekommen?«

»Über die Mauer,« sagte Halberdrein.

»Wo habt ihr die Kutte her?«

»Gefunden,« erwiederte Dürrschnabel.

»Und den Eselskopf?«

»Vom Schinder gekauft.«

»So! gefunden und gekauft; ihr irrt euch doch nicht?« fragte Loder. »Wer oder was hat euch denn zu dem Malefiz aufgewiegelt?«

»Das fügte sich dergestalt,« nahm Dürrschnabel das Wort. »Ich zog mit meinem geheimen und guten Gesellen auf Murbach zu, wo wir das Abendmahl nehmen wollten, und blieben zu Herberg in einem Dorf, weil da grade die Kirchweih im Schwange war. Anderen Tages kamen wir in Murbach an, aber die Mönche wollten uns auf all unser standhaft fleißig Bitten nicht zum Abendmahl zulassen, weil wir als Spielleute ehrlos, echtlos und rechtlos wären, und das sind wir doch nicht mehr.«

»Nein, das sind wir nicht mehr,« erklärte Loder. »Kaiser Karl IV. hat uns ein Wappen verliehen und uns damit ehrlich gemacht, und der heilige Vater Sixtus – Gott segne ihn dafür! – hat uns vom Kirchenbann gelöst und verordnet, daß man fortan auch den fahrenden Leuten das Sakrament reichen soll wie andern Christenmenschen. Ihr waret also in eurem guten Rechte, und es ist ja sehr erfreulich, daß euch nach der Gnadenspende so sehnlich verlangt hat; eure Sünden müssen euch nicht schlecht auf eurer armen Seele gebrannt haben. Aber der Zaunpfahlwink mit dem Eselskopf nach der frommen Weisheit der Gesalbten ist derb und deutlich, und ihr habt euch fahrenden Fußes nach der Abtei Murbach zu begeben und das Kapitel kniefällig mit Entdeckung des Hauptes und mit lauten Worten um Verzeihung zu bitten. Hoffentlich wird man euch dort bei euren eigenen Eselsohren nehmen und euch eine namhafte Buße auflegen. Da freßt es aus, was ihr euch eingebrockt habt. Dann aber verlangt ihr die Darreichung des heiligen Abendmahles, und wird sie euch nochmals verweigert, so bestellt ihr dem hochwürdigsten Abte: ich, Hans Loder, der König aller fahrenden Leute im Wasigen, forderte für euch das Sakrament, und wenn er euch das abschlüge, so würde ich ihn bei Seiner Gnaden dem Bischof von Basel und, wenn's sein müßte, bei Seiner Heiligkeit dem Papste in Rom verklagen. Gehabt euch wohl, und Glück auf die Reise!«