»Nein, Herr Graf!« erwiederte Loder, »ich bürge mit Ehr und Gewissen für jedes Wort.«
Durch des Grafen hohe Gestalt ging ein Zittern. Um seine mächtige, innere Bewegung zu verbergen, trat er an ein Fenster, den Anderen den Rücken zukehrend. Ein dumpfes Schweigen herrschte im Gemache, Niemand rührte sich von der Stelle.
Endlich wandte sich Schmasman um und sagte, auf Loder zuschreitend, mit einer eisigen Ruhe: »Ich danke Dir, Hans! Du hast mir einen großen Dienst erwiesen.« Dann setzte er sich in einen Sessel und stützte den Ellenbogen auf die Lehne und das Haupt auf die Hand.
Loder wollte abtreten, aber die Gräfin winkte ihm zu, noch zu bleiben. Dann ging sie zu ihrem Gemahl und sprach, ihm leise die Schulter berührend: »Nimm es auch nicht allzuschwer, Liebster! Burkhard wird auf die eine oder die andere Weise zur Vernunft zu bringen sein.«
»Wie ist es nur möglich?« fuhr Schmasman aus seinem Brüten auf. »Er hat mich getäuscht und schmählich hintergangen, hat mich mißbrauchen wollen als gefügiges Werkzeug seiner ehrgeizigen, habgierigen Pläne. Ich bin blind und taub gewesen in meinem festen Glauben an ihn. Jetzt begreife ich seine vorgefaßte Meinung und seine Feindschaft gegen die Thiersteiner. Jetzt verstehe ich manches Wort, das ihm unbedacht entschlüpfte und das ich ihm stets zum Guten auslegte als nicht so bös und ernst gemeint. Ich habe ihn gefragt, was mit der Hohkönigsburg werden sollte, wenn wir sie erstiegen hätten. Da ist er mir ausgewichen mit seiner Antwort, hat mir nicht ehrlich gesagt, daß er sie selber haben möchte.«
»Aber warum hat er sie denn nicht genommen, so lange sie ihm herrenlos und unvertheidigt offen stand?« fragte Herzelande.
»Weil er sie dann selber mit seinem Gelde aus den Trümmern hätte wieder aufrichten müssen,« entgegnete Schmasman. »Jetzt findet er sie fertig vor, so stark und schön, wie sie vorher niemals war, und würde sich dagegen sträuben, wenn wir sie nach ihrer Erstürmung wieder ausbrennen wollten. Nicht in das zerstörte, nein, in das sicher und fest gebaute Nest will er sich setzen.«
»Was beschließest Du nun zu thun?« fragte Herzelande.