»Darüber kann ich mich unmöglich heute schon entscheiden, denn das bedarf sehr reiflicher Erwägung,« sagte Schmasman. »Burkhard hat mein Wort, zur Fehde zu rüsten, dem Thiersteiner abzusagen und an dem Kampfe gegen ihn theilzunehmen.«

»Das Wort hast Du unter ganz anderen Voraussetzungen und Bedingungen gegeben und würdest es nicht gethan haben, wenn Du Burkhards Hintergedanken durchschaut hättest,« wandte die Gräfin ein. »Er hat den Thiersteiner unablässig gereizt, hat ihn nach Deiner eigenen Darstellung zu unüberlegten Drohungen verlockt und herausgefordert, deren Anfang zur Ausführung doch wenigstens abgewartet werden sollte. Dann ist es immer noch Zeit, den Versuch dazu durch einmüthigen, entschiedenen Widerstand und, wenn's sein muß, mit Gewalt zurückzuweisen. Burkhard hat es, nur in der Absicht, die Hohkönigsburg für sich selber zu gewinnen, darauf abgelegt, einen Streit heraufzubeschwören und euch Alle mit hineinzuziehen, hat ihn willentlich immer weiter und weiter mit Sticheln und Hetzen getrieben, bis ein blutiger Waffengang unvermeidlich schien. Soll er seinen eigennützigen, mit so verwerflichen Mitteln verfolgten Zweck nun wirklich erreichen?«

»Ein Wort ist ein Wort und bleibt ein Wort,« erwiederte Schmasman, »ich kann damit nicht umspringen, wie der Wind die Wetterfahne dreht. Die Lage der Sache ist nur insofern verändert, daß die Fehde nun noch ein Nebenziel hat, das nicht von vornherein klar ausgesprochen ist, das ich nicht billige und zu dessen Erreichung ich dann am wenigsten helfen werde, wenn ich dazu überlistet und übertölpelt werden soll.«

»Und ohne Dich, gegen Deinen Willen werden die Anderen den Kampf nicht wagen,« meinte Herzelande.

»Der eigentliche Grund zum Kampfe bleibt bestehen,« sagte Schmasman, »so lange Graf Oswald uns nicht bündige Zusicherung und annehmbare Bürgschaft giebt, seinen herrschsüchtigen Gelüsten gegen den ansässigen Adel völlig zu entsagen. Thut er dies, so fällt jede Veranlassung zu einer Fehde weg. Die persönlichen Beleidigungen, die sich Burkhard und Oswald gegenseitig zugefügt haben, mögen die Zwei unter sich allein ausfechten; das wird weder den Einen noch den Anderen eine Burg kosten. Ich glaube, eine offene, ruhige Aussprache mit dem Grafen Oswald unter vier Augen würde sehr dazu beitragen, einen allgemeinen Kampf zu verhüten, und ich bin der Anbahnung einer Verständigung mit ihm durchaus nicht abgeneigt, damit er sieht, daß ich unter gewissen, unerläßlichen Bedingungen bereit bin, die Hand zum Frieden zu bieten. Jedenfalls,« schloß der Graf, zu Egenolf und Loder gewandt, »reitet ihr vorläufig nicht zu den Lehnsleuten.«

»Aber soll ich nicht auf die Hohkönigsburg reiten, Vater,« frug Egenolf, »und dem Grafen eine Wink geben, daß Ihr nichts Feindliches gegen ihn im Schilde führt?«

Schmasman schien zu überlegen.

»Wäre nicht so übel, Herr Graf,« mischte sich Loder in das Gespräch, der Egenolfs sehnlichen Wunsch nach Frieden und Eintracht unter den beiden Familien wohl verstand und ihm gern zu einem Wiedersehen mit der jungen Gräfin behilflich sein wollte. »Graf Egenolf ist bei dem Streite nicht unmittelbar betheiligt und könnte mit seinem freundnachbarlichen Besuche dem Grafen Oswald zeigen, daß zwischen Euch und ihm kein Stein im Wege liegt.«

»Nein, das wäre verfrüht und geht auch aus anderen Gründen nicht,« entschied der Graf. »Nach dem Zank im Rathskeller sähe das aus wie ein schleuniger Rückzug, wie eine Abbitte, möchte ich sagen, ein Zukreuzkriechen.«

»Ich muß Dir vollkommen beipflichten, Schmasman,« sagte Herzelande, »aber ich habe einen anderen Vorschlag. Die junge Gräfin Leontine hat unsere Tochter um ihren Besuch gebeten, und diese hat ihn ihr auch zugesagt. Isabella weiß von der ganzen Fehdesache nichts, und sie darf auch nichts davon erfahren, um völlig harmlos und unbefangen mit ihrer neuen Freundin und deren Eltern verkehren zu können. Also rathe ich, daß wir Isabella hinauf schicken. Laß mich nur machen; es soll weder für Isabella noch für die Thiersteiner nach irgend einer Absicht aussehen. Aber Graf Oswald wird sich sagen, daß wir unsere Tochter nicht auf die Hohkönigsburg hinauf lassen würden, wenn ein unabwendbarer Kampf zwischen Dir und ihm nahe bevorstünde.«