»Ja, recht herzlich soll ich Dich von ihm grüßen, und er dächte sehr viel an Dich.« Bei dieser eigenmächtigen Überschreitung von ihres Bruders Auftrag ward auch Isabella ein wenig roth.
»Grüß ihn wieder!« sagte Leontine kurz und machte sich an dem Wolfsfell zu schaffen, einen der Läufe, der etwas schief lag, gerade streckend.
»Denkst Du auch zuweilen an ihn?« fragte Isabella.
»Weiß nicht. Frag' nicht so dumm!« erwiederte Leontine mit abgewandtem Gesicht. »Komm weiter!«
Isabella lächelte still vor sich hin, und sie verließen das Gemach. Draußen sagte Leontine: »Hier rechts geht es zu meines Vaters Zimmer, aber da dürfen wir Frauen nicht hinein, wenn er uns nicht rufen läßt.«
Sie gingen nun zur Gräfin Katharina. –
Graf Oswald saß in seinem Gemach und blätterte in vergilbten Schriften. Die Wände waren mit Waffen, alterthümlichen und jetzt gebräuchlichen, und mit allerlei Jagdzeug, ausgestopftem Gethier, Geweihen und Gehörnen geschmückt, und an der linken Augensprosse eines kapitalen Zwanzigenders schwebte Herrn Burkhards Eulenhut. Oswalds Bruder hatte ihn inmitten des Tumultes im Rathskeller geschickt bei Seite zu bringen gewußt und als ärgerliches Beweis- und Beutestück mit sich genommen. Nun hing er hier auf der Hohkönigsburg an dem Hirschgeweih, und Burkhard, der sich über den Verlust seiner Eule gewiß unsäglich boßte und ihren Verbleib nicht ahnte, konnte lange warten, bis er sie wiederbekam.
Etwa eine Stunde vor Mittag trat Graf Wilhelm eilend herein und rief: »Oswald, nun geht es los; rathe, wer soeben im Stallhof vom Pferde gestiegen ist!«
Oswald blickte seinen Bruder fragend an.