»Die glänzendste Geschichte«, fügt Sörensen ein, »war wohl die bei Tanga. Die Engländer haben ja versucht, die Sache zu verschleiern: Zuerst kamen etwas unklare Nachrichten zu uns nach Deutschland, die so schön klangen, daß wir sie gar nicht glauben mochten. Kaum waren sie aber in den Blättern erschienen, als die Engländer auch schon für sich selbst eine glänzende Waffentat herauszulügen suchten.«

Der Hausherr, der bisher geschwiegen hat, mischt sich in das Gespräch.

»Sie glauben gar nicht, Herr Kapitän, wie sehr gerade dieser Sieg unser Ansehen bei den Eingeborenen gestärkt hat und wie die Schwarzen nachher mit uns durch dick und dünn gegangen sind.«

»War denn einer von Ihnen dabei?« Lebhaft gibt die Hausfrau Auskunft: »Aber natürlich, der Herr Hauptmann hier, der hat doch die ganze Sache mitgemacht, er spricht ja sonst nicht gern, aber wenn wir ihn alle recht schön bitten, läßt er sich vielleicht erweichen und erzählt.«

Der Offizier der Schutztruppe lächelt und verbeugt sich vor der Dame ihm gegenüber. »Ja, gnädige Frau, da wird mir wohl nichts anderes übrig bleiben, als zu berichten. Den meisten von Ihnen sind die Ereignisse ja schon bekannt, aber Sie, Herr Kapitän, wird die Erzählung vielleicht interessieren.

Zuerst hatten es die Engländer auf Daressalam abgesehen, um uns vor allem die Funkenverbindung mit der Heimat abzuschneiden. Zwei kleine Kreuzer haben ihr Heil vergeblich versucht. Sie erreichten bloß, daß wir die ganze Anlage abbauten und weiter nach dem Innern transportierten. Damit war es also nichts. Zum Glück hatte die Marine ihr Vermessungsschiff, die »Möwe«, bereits vorher versenkt, und auch das kleine Schwimmdock hatte dran glauben müssen. Das gleiche Manöver wie in Daressalam wiederholten die Gegner nun in Bagamojo. Auch hier aber setzten sie bloß durch, daß unsere Dampfer, um nicht von den Engländern weggeführt zu werden, sich freiwillig auf Strand setzten und die Maschinen unbrauchbar gemacht wurden. Auch an verschiedenen anderen Punkten der Küste kam es zu Schießereien, bei denen die Engländer nicht gerade Lorbeeren ernteten.

Wir waren in der Zwischenzeit nicht müßig gewesen und den Engländern zu Lande bereits höllisch unangenehm geworden. Während sie ihre Zeit an der Küste vertrödelten und wohl annahmen, daß wir hilflos in unserer Abgeschlossenheit lahmgelegt wären und wohl längeren Widerstand gar nicht leisten könnten, hatten wir den Spieß bereits umgekehrt und waren ihnen in ihrem eigenen Gebiet auf den Pelz gerückt. Das war ja so’n Fressen für unsere Askaris. Die Kerls haben sich glänzend gemacht. An der Ostseite des Viktoriasees drangen wir gegen die Ugandabahn vor, um Missi zu besetzen, ebenso an der Westseite des Kilimandscharo, gegen die Zweigbahn, die nach Magadi führt. Die wurde vor allem durch Sprengung einer Brücke unbrauchbar gemacht.

Eine dritte Abteilung stieß zur gleichen Zeit vom oberen Ende der Usambarabahn über die Grenze vor und besetzte Tavete, wo sie von seiten der Engländer nicht den geringsten Widerstand vorfand. Diese letzte Geschichte nun war den Engländern besonders unangenehm, da sie Angst hatten, daß wir sie durch Besetzung oder völlige Zerstörung der Bahn von der Küste abkneifen würden. Sie haben dann schleunigst Verstärkungen von Indien und anderen Kolonien herangeschafft, um Tanga zu nehmen. Das ist nämlich der Ausgangspunkt der Usambarabahn, die für unsere Operationen dort oben den Rückhalt bildete. Wahrscheinlich hofften sie aber auch längs der Bahn weiter vordringen zu können und uns abzuschneiden.

Geschehen mußte von ihrer Seite unbedingt etwas, um ihr Ansehen bei den Schwarzen, den Arabern und Indern, die als Händler über das ganze Land verteilt sitzen, wieder herzustellen. Einen gehörigen Knacks hatte es schon weg, und unser Vorgehen hatte das englische Prestige bereits stark vermindert. Dazu kam noch die Furcht und die Wirkung, die unser weiteres Vordringen auf Indien ausüben mußte. Sie können sich nicht vorstellen, Herr Kapitän, wie schnell die Eingeborenen ohne Telegraph von solchen Geschichten Wind bekommen. Na, uns konnte das ja nur recht sein bei der schamlosen Verletzung der Kongoakte, die doch jeden Krieg zwischen Europäern und vor allem die Verwendung farbiger Truppen hier ausschließt. Das Tangaabenteuer sollte den Engländern sehr teuer zu stehen kommen.

Ich war selbst da. Am 31. Oktober kam plötzlich die Meldung von der Signalstation, daß eine große Rauchwolke über der Kimm auftauche und bald darauf die Nachricht, daß ein Schiff sich der Küste nähere. Der Bursche stoppte, fuhr einige Male hin und her, stoppte neuerlich, lotete auch wahrscheinlich, kurz und gut, es konnte sich nur um ein Ausmessen des Fahrwassers handeln. Na, die Herren sollten ja einen guten Empfang bekommen. Wir zogen von Moschi und anderen Plätzen heran, was an Truppen nur irgendwie verfügbar war. Die Leute waren noch nicht alle angekommen, als die Geschichte auch schon losging.