Kapitänleutnant von Möller hat sich inzwischen schon entschieden.

„Wenn wir uns so ein Schiff verschaffen können, dann wollen wir es auf jeden Fall versuchen. Hauptsache ist ja, daß die Segel halten. Freilich, wie bekommen wir es? Das beste wird wohl sein, ich wende mich sofort an unsere Deutschen hier, die werden schon Rat wissen.“ —

Auf der Reede von Surabaja liegt ein kleiner Zweimastschoner von kaum vierzig Tonnen. Die weiße Außenbordsfarbe muß an einigen Stellen schon über die nicht mehr ganz einwandsfreie Schiffshaut hinwegtäuschen. Die „Ayesha“ der „Emden“-Leute ist ihm gegenüber das, was ein Großkampfschiff einem Kleinen Kreuzer bedeutet. Die Räume an Bord bieten so viel Platz, wie etwa ein Finkenwärder Fischer-Ewer. Leise gurgelt die Strömung zwischen Java und Maduro an ihm längs. Die Segel sind unter Deck verstaut, kein Mensch ist an Bord zu sehen.

Aus der Mündung des Kallimas kommt eine kleine Dampfpinasse zum Vorschein und hält auf den Schoner zu. Längsseit macht sie fest, drei Europäer erheben sich aus den am Vordeck stehenden Korbstühlen und steigen an Deck. Aufmerksam wird das Oberdeck gemustert, Stagen und Taue und ihre Befestigungen geprüft, die Rudereinrichtung ausprobiert. Dann geht’s in den Raum hinunter, von wo ein Segel hinaufgemannt und an Deck ausgebreitet wird.

„Na, viel Staat ist mit dem Ding nicht mehr zu machen, das fliegt sicher bei der ersten Bö aus den Lieken“, meint kopfschüttelnd Kapitänleutnant von Möller.

„Mit dem Tauwerk ist auch nicht mehr viel los, Herr Kapitänleutnant. Die Segel müssen auf jeden Fall erneuert werden,“ gibt Schwarting sein sachkundiges Urteil zum besten. „Aber da wird auf den Dampfern schon Rat sein. Es sind genug neue Sonnensegel vorhanden, mehr, als wir brauchen. Wenn die Stagen und Wanten ordentlich überholt und nachgesetzt werden, kriegen wir den Pott schon hin.“

Jetzt mischt sich auch Deike in das Gespräch. „Herr Kapitänleutnant, ein Boot von der „Offenbach“ kommt herüber.“

„Nanu, was will denn der hier?“

„Das ist sicher der Mau“, erteilt Schwarting bereitwilligst Auskunft. „Der ist Offizier auf der „Offenbach“ und möchte auch mit.“ Fünf Minuten später ist das Boot längsseit, und zwei kräftige deutsche Gestalten klettern an Deck. Mau und sein Freund Gründler, auch ein Schiffsoffizier auf einem der deutschen Dampfer, Matrose des Landsturms.

„Na, allmählich bringe ich ja meine ganze Besatzung zusammen“, meint schmunzelnd Kapitänleutnant von Möller. „Hoffentlich kommt es nun nicht zu weit herum, daß wir wegwollen.“ Wie einstimmig erfolgt von allen die Versicherung, daß keiner von ihnen daran denke, ein überflüssiges Wort zu sprechen.