Fünfhundert Meter von dem gestoppt liegenden Fahrzeug taucht »U 187« auf, unverzüglich fährt der erste Schuß hinüber. Die Fischer wissen sofort Bescheid. Kaum zehn Minuten später sitzen sie im Boot und rudern ab. Auch die beiden anderen Schiffe haben sofort gehorsam gestoppt. Sie liegen etwa tausend Meter ab, und anscheinend werden auch dort bereits die Boote zu Wasser gelassen. In den ersten verlassenen Dampfer fegen die Granaten hinein. Nach drei Schüssen sackt er tiefer und beginnt zu sinken. Da ... mit äußerster Fahrt prescht der in der Mitte stehende Fischer plötzlich heran. Die Kerle müssen das hindernde Netz gekappt haben .... auf siebenhundert Meter ist er heran .... die Reeling unter der Back schlägt herunter ... ein Feuerstrahl spritzt hervor .... wieder und wieder, in schneller Folge .... schmetternd kracht es auf den Turm, reißt den Rudergänger über Bord und wirft Kommandant und Wachoffizier zu Boden.
»Rein ins Boot! Schnelltauchen!« Voran läßt sich der Kommandant in den Turm gleiten, an ihm vorbei stürzen die Leute in die Zentrale hinunter .... Die Hälfte des Turms noch ragt aus dem Wasser ... wenige Sekunden nur, und die See nimmt »U 187« schützend auf .... ein harter Schlag auf den Turm, der das ganze Boot erzittern macht .... eine grelle Flamme leuchtet auf .... beißender Pulverqualm dringt heran, legt sich schwer auf Auge und Lunge ... Das Licht erlischt. Durch die Seitenfenster nur noch dringt grünlichfahler Schein .... Wasser rieselt in die Zentrale hinab ... in hellem Strahl schießt es nach ... immer mehr ....
»Turm abschließen!« Die Reservebeleuchtung flammt auf. In der Zentrale sieht es wüst aus. Sprengstücke der im Turm platzenden Granaten haben ihren Weg nach unten gefunden. Ruderleitungen, Kommando-Elemente sind zerrissen, das Heckruder klemmt, der Kreiselkompaß steht. Nach Steuerbord überliegend, sackt das Boot unheimlich schnell, zwanzig Meter ... dreißig ... fünfundvierzig ... und fünfzig Meter überschreitet eben der Tiefenmesser, als es endlich gelingt, das Boot aufzufangen. Die Tiefenruder und die Motoren sind intakt geblieben.
Drei Minuten sind verstrichen, seit »U 187« getaucht ist. Der Turm steht voll Wasser. In ihm ist der Kommandant geblieben. Die Hoffnung, ihn noch lebend bergen zu können, ist verschwindend gering, versucht aber muß es werden. Oben lauert der Feind. Es heißt ihn durch plötzliches Auftauchen zu überraschen und sogleich unter Feuer zu nehmen.
Die Geschützmannschaften halten sich klar, um sofort an Deck springen zu können ....
»Ausblasen!« Kaum dreihundert Meter hinter dem Heck der Falle schießt »U 187« an die Oberfläche ... die Luks schlagen auf, hageldicht sausen die Granaten in den überraschten Engländer hinein, der sein Opfer an anderer Stelle sucht .... Krachend geht das Ruderhaus in Trümmer .... mitten in die Geschützmannschaft unter der Back fegen die deutschen Geschosse .... reißen das Geschützrohr aus seiner Wiege, schmettern die zerfetzte Bedienung über Bord .... Dann schließen sich die Wellen des Atlantik über der Falle. Die wird nie wieder deutsche Seeleute meucheln ....
In wenigen Sekunden ist der Turm entwässert. Hier hat die englische Granate weit mehr Schaden angerichtet als unten. Rohrleitungen, Kommando-Elemente und sonstige Einrichtungen hängen verbogen und zerrissen an den Wänden, die dicken Glasscheiben sind zertrümmert. An Deck des Turms liegt der Kommandant. Ein gnädiges Geschick hat ihn vor dem qualvollen Tode des Ertrinkens bewahrt, das Ende muß durch eine schwere Brustverletzung eingetreten sein, bevor das Boot tauchte.
Noch fehlt der Rudergänger, der vom ersten Treffer über Bord gerissen wurde. Während im Boot hilfreiche Hände um den verletzten Wachoffizier bemüht sind, wird die See nach dem Vermißten abgesucht. Umsonst. Nur Schiffstrümmer und Rettungsringe der beiden versenkten Engländer treiben herum, in weiter Ferne verschwindet eben der dritte Fischdampfer. Eine Stunde spähen besorgte Augen umsonst nach dem Kameraden aus. Nichts .... Deutscher Seemannstod .....
Alles, was nicht an Maschinen und Rudern zu tun hat, wird angestellt, die Störungen zu beseitigen. Hoffentlich gelingt es, das Boot wenigstens einigermaßen tauchklar zu machen und Rudereinrichtung und Kreiselkompaß wiederherzustellen. Bis nach Hause muß es langen. Noch mehrere Sperren sind zu durchbrechen, ohne Glück ist der Versuch, mit dem beschädigten Boot in den Hafen zu kommen, ausgeschlossen.
Am späten Abend sind die gröbsten Störungen notdürftig beseitigt, und mit nordöstlichem Kurs steuert »U 187« auf Fair Island zwischen Shetland- und Orkneyinseln zu.